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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
Entstehung
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MEIN LIEBER WILLY"

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prächtigen Sports verdanke. Er erinnerte dann daran, daß er in England seine Lehrzeit als Seemann absolviert habe, und sagte wörtlich:An derHand gütiger Tanten und freundlicher Admirale durfte Ich als kleiner JungePortsmouth und Plymouth besuchen und in diesen beiden herrlichen Häfendie stolzen englischen Schiffe bewundern. Da entstand in Mir der Wunsch,auch solche Schiffe zu bauen, und der Plan, auch einmal eine so schöneFlotte wie die englische zu besitzen." Während der Kaiser so sprach,glänzten ehrliche Tränen in seinem Auge. Er war gerührt über sich selbst.Als der Aufforderung des Kaisers,nach echter Seglerart" drei Hurrasauf den englischen König auszubringen, mitHipphipphurra!" Genüge ge-leistet worden war, antwortete der König. Seine Gabe, sich in jede Situationzu finden, und seine weltmännische Sicherheit mußte ich wieder bewundern.Seine Antwort war eine Mischung von gutmütiger Ironie und freundlichemDank für den ihm im Jachtklub bereiteten Empfang.Du bist, mein lieberWilly", führte er in deutscher Sprache aus,für mich immer so sehr nett undso überaus freundlich gewesen, daß es mir wirklich schwerfällt, dir für alledeine Liebenswürdigkeiten so zu danken, wie dies mein Herz wünscht.Ich bin stolz, heute Mitglied dieses Klubs geworden zu sein. Ich danketausendmal für alle deine guten Wünsche, ich trinke auf deine Gesundheitals Admiral des Kaiserlichen Jacht-Klubs." Ich hatte, während der Kaiserseinen Toast ausbrachte, dem Vertreter von Wolffs Telegraphenbüro ver-boten, diesen Trinkspruch nach Berlin zu drahten, bevor ich ihn korrigierthätte. Sobald ich das Stenogramm erhalten hatte, entwarf ich, wie schonöfters bei ähnlichen Anlässen, eine neue, freundliche, aber nüchterneKaiserrede, die ich durch Wolff verbreiten ließ. Als der Kaiser sie später inderKieler Zeitung " las, meinte er ohne Zorn, aber in elegischem Ton:Sie haben mir ja wieder eine ganz andere Rede gemacht! Gerade dasSchönste haben Sie fortgelassen." Ich erwiderte ruhig und ernst:EureMajestät können mir glauben, daß es so besser für Sie und für uns ist. WennSie unsere große, nicht ungefährliche, jedenfalls arbeits- und kostenreicheFlottenaktion in so sentimentaler Weise als Ausfluß persönlicher Neigungenund Jugenderinnerungen hinstellen, wird es nicht leicht sein, vom Reichs-tag immer weitere Millionen für die Marine zu erhalten." Der Kaiserbrummte:Ach, der verfluchte Reichstag!" Aber dabei hatte es sein Be-wenden.

Am nächsten Tag fuhr der König nach Hamburg . Der Besuch unserergrößten Handelsstadt verlief ausgezeichnet. Es war sicherlich der Glanz- Eduard VII. punkt der ganzen Begegnung. Die Hamburger Art gefiel dem König. Bei Hamburg dem Essen, das die Stadt ihm gab, war er in der allerbesten Stimmung,freier und unbefangener als unter den Uniformen in Kiel . In der kurzenAnsprache, die er hielt, erklärte er, daß, wenn er in sein Land zurückkehre,