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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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NORDERNEY UND BERLIN

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bei meinem Regiment, den Königshusaren, und hat in diesem Regimentauch den Weltkrieg mitgemacht. Er ist ein Musterbeispiel dafür, was inunserm Volk an Tüchtigkeit und Intelligenz, an Fleiß und Ernst steckt.Er hat sich Italienisch vollkommen angeeignet und weiß in technischenDingen, in Elektrizität und Mechanik nicht weniger gut Bescheid als frühermit seinen von ihm mit Hingabe betreuten Gäulen. Er war ein forscherReiter, hatte im Rennstall Suermondt in Aachen eine gute Schule gehabtund schon mit zehn Jahren jedes Hindernis auf ungesatteltem Gaul undohne Bügel zu nehmen gelernt. Hätte das Schicksal seine Eltern mit mehrGlücksgütern gesegnet und hätte er studieren können, so wäre er ein ausge-zeichneter Beamter, ein scharfer Staatsanwalt, ein energischer Landrat ge-worden. Aus vielen Gesprächen mit diesem trefflichen Diener habe ich dieErfahrung gewonnen, daß ein Mann aus dem Volk mit offenem Kopf dieDinge dieser Welt oft rascher und klarer erfaßt als mancher Intellektuelleund Politiker.

Was ich in Norderney aus Berlin hörte, war nicht immer erfreulich.Zwar wurde die Reichs finanzre form mit ihren Steuervorlagen im Annahme derReichstag angenommen, was dem Kaiser Gelegenheit bot, ein gnädiges Reichs-Handschreiben an mich zu richten, in dem es hieß:Ich bin mir wohl be- fi nanzre f ormwüßt, welcher hervorragende Anteil an dem Entstehen wie an dem Gelingendieses bedeutsamen Reformwerkes dem staatsmännischen Geschick und deraufopfernden Hingebung gebührt, mit denen Sie die mühevollen Arbeitengeleitet und gefördert haben. Von ganzem Herzen beglückwünsche Ich Siezu diesem Erfolge, durch welchen' Sie sich von neuem den Dank IhresKaisers und Königs wie des Vaterlandes erworben haben. Zugleich benutzeIch die Gelegenheit, Ihnen, mein lieber Fürst, meine innige Freude darüberauszusprechen, daß Ihre durch das Übermaß der Arbeit angegriffene Ge-sundheit durch Gottes Gnade vollständig wiederhergestellt ist und Ich michder zuversichtlichen Hoffnung hingeben kann, daß Ihre ausgezeichnetenDienste Mir noch recht lange erhalten bleiben zum Segen für das deutscheVolk und das Vaterland. Ich verbleibe mit unveränderlichem Wohlwollenund Vertrauen Ihr wohlgeneigter und dankbarer Kaiser und König."

Auch die für die Armee bedeutungsvollen Militär-Pensions-Gesetzewaren vom Reichstag endgültig angenommen worden, um deren Ein-bringung und für deren Annahme ich mich sehr bemüht hatte. SeinerMeldung, daß die Pensionsgesetze definitiv durchgegangen wären, fügteder Kriegsminister von Einem hinzu:Ohne die Maßnahmen Eurer Durch-laucht und ohne Ihre Mitwirkung wäre ein solches Resultat niemals möglichgewesen. Eurer Durchlaucht fühle ich mich daher gedrängt meinenwärmsten Dank ehrfurchtsvoll zum Ausdruck zu bringen. In aufrichtigerHochachtung und Verehrung und in der Hoffnung, daß Eure Durchlaucht