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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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TATTENBACH ÜBER ALGECIRAS

Bewunderern in alter Tatkraft und Frische wiedergegeben sind. Mit ange-legentliehen Empfehlungen an die Frau Fürstin, die nun wieder aufatmenund sich des Lebens freuen kann, bin ich in aufrichtiger und herzlicher Ver-ehrung Ihr treu und dankbar ergebener August Eulenburg."

Der Gesandte Graf Tattenbach, dem ich für seine erfolgreiche Tätigkeitin Algeciras eine wohlverdiente Auszeichnung erwirkt hatte, schrieb mirmit der bei diesem wackeren Mann gewohnten Bescheidenheit:Wenn ichin Algeciras einiges Nützliche habe leisten können, darf dies nicht meinemVerdienst zugute kommen. Die gründliche Kenntnis von Land und Leuten,eine Frucht siebenjährigen Aufenthalts daselbst und einige nützlichejuristische und administrative Reminiszenzen aus meiner Dienstzeit in denReichslanden haben mir die Sache leicht gemacht. Ich habe zahlreicheZuschriften erhalten, aus denen hervorgeht, daß man in Deutschland in denpraktisch interessierten Kreisen mit dem Ergebnis zufrieden ist, u. a. auchvon der Hamburger Kaufmannschaft. Der politische Wert der Abmachun-gen liegt aber m. E. darin, daß Frankreich fernerhin in Marokko auf unserenguten Willen angewiesen ist. Wir können, wenn wir es für nötig erachten,ein Auge zudrücken. Wir können aber auch die zahllosen Vorbehalte undKautelen, die sich in den Abmachungen vorfinden, benutzen, um denFranzosen auf Schritt und Tritt ernste Schwierigkeiten zu bereiten." GrafTattenbach beurteilte die Algeciras -Akte genau so, wie die leitende fran-zösische Halbmonatsschrift, dieRevue des Deux Mondes ", es tat, diemeinte:On a vu nulle part une souverainete aussi garottee par des liensmultiples et assujettie ä de si nombreuses et si minutieuses servitudes . . .Les puissances, ou plutot la principale entre elles, l'AUemagne, ont con-sent! ä ce que nous etablissions notre protectorat au Maroc ä la condition den'y jouir d'aucun avantage economique ... La France , c'est triste ä dire,n'a obtenu aucune prime de gestion au Maroc."

Der Reichstagspräsident Graf Ballestrem , der mir vor meiner Abreisenach No derney einen längeren Besuch abgestattet hatte, schrieb mir, daßes ihm erne große Freude gewesen wäre, dem Reichstag in dessen nächsterSitzung imitzuteilen, daß er mich in gutem Gesundheitszustand und unver-ändert durch die Krankheit gefunden habe. Seine Mitteilungen wären vonallen Seiten des Hauses mit lebhaftem Beifall aufgenommen worden, derbewiesen hätte, daß ich wohl politische Gegner, aber keine persönlichenFeinde im Parlament hätte. Der Führer des Zentrums, Herr Spahn, sprachmir brieflich die Hoffnung aus, daß es ihm noch vergöunt sein möge, ge-meinsam mit mir für das Vaterland zu wirken. Herr von Hertling schriebmir in demselben Sinne, er hoffe, mich bald an derselben Stelle in altergeistiger und körperlicher Kraft wiederzusehen. Herr von Heydebrand, demich für seine Mitwirkung beim Zustandekommen des Schulgesetzes gedankt