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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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TREUE KAISERLIKE'

Volk und Parlament zu nachgiebigen, gegenüber der erhabenen PersonSeiner Majestät viel, viel zu strengen Haltung im November 1908, die ihnso empört habe, daß er einen schweren Herzkrampf erlitten hätte. Seinebelgisch-pariserische Gattin schrieb nach Paris und Brüssel, daß ich unhomme fini wäre, und erklärte in den Berliner Diplomatensalons, daß sieund ihr Mann alstreue Kaiserlike" mit mir nichts mehr zu tun habenwollten.

Kiderlen schrieb mir nach meinem Rücktritt:DurchlauchtigsterFürst, nachdem die Tage der Aufregung und Kämpfe und die nicht minderermüdenden Tage zahlloser ehrenvoller Sympathiekundgebungen vorübersind, wollen es Eure Durchlaucht einem bescheidenen, aber treuen An-hänger gestatten, Ihnen direkt noch einmal die Gefühle treuer und sichgleich bleibender Verehrung auszusprechen, die durch äußere Vorgängekeinen Wandel erfahren können. Als Deutscher und ganz besonders alslangjähriger Beamter des auswärtigen Dienstes kann ich das AusscheidenEurer Durchlaucht aus Ihrem bisherigen erfolgreichen Wirkungskreise nurauf das tiefste beklagen. Dies bedarf einer besonderen Ausführung nicht.Ich habe aber auch genügenden Einblick in die schwere und verantwor-tungsvolle Tätigkeit Eurer Durchlaucht gehabt, um es Ihnen nachfühlenzu können, daß Sie jetzt ein gewisses Gefühl der Befriedigung überkommt,wenn Sie in Ruhe und ohne die täglichen Sorgen auf das Erreichte undGeschaffene zurückblicken können. Eure Durchlaucht werden es aber ver-stehen, wenn ich dabei den Wunsch ausspreche, daß Eure Durchlaucht auchfernerhin mit der inneren und ganz besonders mit der äußeren Politikunseres Vaterlandes eng verknüpft bleiben werden und Kaiser und Reichnie Ihres erfahrenen Rates entbehren mögen. Wenn ich aber heute an EureDurchlaucht schreibe, so geschieht es vor allem, um Ihnen, verehrter Fürst,und der verehrten Fürstin meinen innigen und aufrichtigen Dank für diestets so hebenswürdige, unvergeßliche Aufnahme in Ihrem Hause auszu-sprechen und ebenso dem Dank und der Verehrung Ausdruck zu geben,die ich stets dem wohlwollenden Vorgesetzten bewahren werde. Ich werdeganz besonders mit lebhaftem Dank stets des letzten Winters gedenken,während dessen es mir vergönnt war, längere Zeit direkt unter Eurer Durch-laucht zu arbeiten. Ich hoffe, daß Eure Durchlaucht einen Teil des Sommersoder Winters in Berlin zubringen werden und ich dann auf Urlaub Gelegen-heit haben werde, Eure Durchlaucht und die Fürstin auch mündlich meinerunwandelbaren Gefühle zu versichern. Vorläufig bitte ich, auf diesem Wegeden Ausdruck meiner treu-dankbaren Anhänglichkeit entgegenzunehmen.Meine besten und herzlichsten Wünsche für Ihr Wohlergehen begleiten Siebeide. Indem ich bitte, mich der Frau Fürstin zu Füßen zu legen, verbleibeich mit dem Ausdruck alter anhänglicher Verehrung stets Eurer Durch-