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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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EIN PROTEGE BÜLOWS

längst den Husarensäbel mit der Pflugschar vertauscht hatte. Er schriebmir, er habe einen jüngeren Bruder mit schwacher Gesundheit und nochschwächerem Geldbeutel, der aber nichtsdestoweniger von dem brennendenWunsch erfüllt wäre, Diplomat zu werden. Ob er mir als Attache genehmsein würde ? Rom mit seinem guten Klima und seinen nicht allzu teuerenLebensbedingungen wäre für Gottheb, so hieß der Anwärter, das Idealseiner Wünsche und Träume. Ich verwandte mich beim Auswärtigen Amt für den jungen Mann mit der Erklärung, daß ich ihn gern nehmen würde.Er meldete sich bald darauf im Palazzo Caffarelh, wurde auf das freund-lichste aufgenommen und während zwei Jahren als Kind im Hause be-handelt. Ich würde die Apostrophe des Friedländers an Max Piccolominizitieren:Sieh, als man dich im Pragschen Winterlager ins Zelt mir brachte,einen zarten Knaben", wenn nicht der Abstand gar zu groß wäre zwischenGottheb Jagows Statur und dem ritterlichen Reiteroberst, der, mit hoch-geschwungenem Säbel, mit wehendem Helmbusch und im langen Haarbei Neustadt in das schwedische Feldlager einbrach, den Tod suchend. Ichhielt auch als Staatssekretär und als Reichskanzler weiter meine Handüber Jagow, ich verwandte ihn nur an ihm erwünschten, billigen undgesunden Posten: in Hamburg, in München , vor allem immer wieder alsDritten, Zweiten und Ersten Sekretär in Rom .

1906, nach meinem Ohnmachtsanfall im Reichstag, wurde Jagow indas Auswärtige Amt einberufen, weil man meinem kleinen Protege dortauf den Zahn fühlen wollte. Nach meiner Genesung erschien er bei mir,um mir zu sagen, daß seine zarte Gesundheit die sitzende Lebens-weise und die starke Arbeit in der Politischen Abteilung des AuswärtigenAmtes nicht vertrüge, er es auch gar zu gern bis zum Gesandtenbringen möchte. Ich verschaffte ihm den angenehmen und bequemenPosten eines deutschen Gesandten in Luxemburg, von wo er oft nachBrüssel fuhr, um sich durch den dortigen deutschen Gesandten am bel-gischen Hofe, den Grafen Wallwitz, und dessen Frau, meine Stieftochter,mir in empfehlende Erinnerung zu bringen. Als nun Monts Rom verließ,weil er selbst fühlte, daß er sich dort bei Italienern und Deutschen gleichunmöglich gemacht hatte, schlug ich dem Kaiser Jagow als Nachfolger vor.Ich habe schon einige Dummheiten gebeichtet, die ich gerade in Perso-nalien begangen habe. Die Beförderung von Jagow zum Botschafter inRom war eine meiner Dummheiten.Was, diesen Knirps wollen Sie alsBotschafter in die Welt schicken?" meinte erstaunt Wilhelm IL, als ichihm meinen Vorschlag unterbreitete. Zu meiner Entschuldigung möchte ichsagen, daß Jagow durch langen Aufenthalt in Rom das dortige Terrainkannte, daß unsere Beziehungen zu Italien damals, 1909, sehr gut warenund daß für Monts, der durch sein taktloses Gebaren viel Anstoß