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in seiner Gewissenhaftigkeit das Bedürfnis, im Auswärtigen Amt anzu-fragen, ob man dort damit einverstanden sei, daß er noch länger SeineMajestät den König von Preußen beim badischen Hofe vertrete. Er glaubeübrigens versichern zu können, daß den badischen Herrschaften, und ins-besondere der Frau Großherzogin Luise, sein Bleiben erwünscht sein würde.Als dieser Brief bei Flotow , dem Personaldezernenten, eintraf, meldete ermir, daß der Gesandte in Karlsruhe seinen Abschied erbeten hätte. Er,Flotow , würde unaussprechlich glücklich sein, wenn er diesen Posten er-halten könnte, dessen Klima, eine Mischung von Höhenluft und der mildenWärme der Bheinebene, gerade für seine zarte Gesundheit zuträglich wäre.Ich erwiderte, daß, wenn zu meinem Bedauern Eisendecher wirklich zu-rücktreten wolle, ich mir vorerst die Frage der Nachfolge reiflich überlegenmüsse. Bald nachher traf Eisendecher in Privatangelegenheiten in Berbnein. Er wurde bei uns zu Tisch eingeladen, ich konnte aber nicht erscheinen,da ich einen starken Grippeanfall hatte und von dem guten Benvers insBett gesteckt worden war, um durch eine Schwitzkur möglichst raschwieder sprechfähig für den Beichstag zu werden. Als Eisendecher und seineGattin im Beichskanzlerpalais erschienen, fiel ihre traurige Miene meinerFrau auf. Wie sich bald herausstellte, war die Betrübnis darauf zurück-zuführen, daß Eisendecher von dem Personaldezernenten Flotow die tele-graphische Benachrichtigung erhalten hatte, sein Abschiedsgesuch wäreeingetroffen und in den Geschäftsgang geleitet worden. Als nun meine Frausogleich zu mir kam, um mich über diesen Sachverhalt aufzuklären, ließich Eisendecher durch sie sagen, ich dächte nicht daran, seine Abberufungbei Seiner Majestät zu beantragen, sondern freute mich, daß er seine nütz-liche Wirksamkeit in Karlsruhe fortsetzen wolle. Meine Frau teilte dies demwürdigen Herrn mit, zu dessen lebhafter Freude, aber zur großen Ent-täuschung des gleichfalls zu Tisch geladenen Flotow, der ihr mit giftigemAusdruck zuflüsterte: „Das ist ein Todesstoß für mich." Er machte in derkurzen Zeit, die ihm bis zu meinem endgültigen Bücktritt blieb, nocheinige krampfhafte Versuche, erst Kopenhagen , dann sogar das bescheideneOldenburg frei zu machen. Als auch das mißlang, verließ er Berlin .
Als ich wenige Tage vor meinem Abschied von Berlin ihn zu mir bittenHeß, um noch einige dienstliche Angelegenheiten zu regeln, wurde mir dieAntwort, welche die Königin Elisabeth bei Schiller erhält, als sie demGrafen Kent den Befehl erteilt: „Graf Leicester komme her!" Lord Kentantwortet bekanntlich: „Der Lord läßt sich entschuldigen, er ist zu Schiffnach Frankreich ." Mir antwortete nur ein Kanzleidiener, der mir meldete,daß Herr von Flotow bereits nach Norderney abgereist sei. Er wollte denBerliner Abschiedsfeierlichkeiten für mich ausweichen. Als ich in Norderney eintraf, war er nicht am Landungssteg zugegen, wo sich alle unsere