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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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.BERNHARD HAT MICH VERRATEN!"

mit einigen Späßen. Beim Dessert trank er mir zu, und gleich nach derTafel kam er, obgleich ich mich nicht bemerkbar gemacht hatte, durch denhalben Saal direkt auf mich zu und schüttelte mir die Hand mit den Worten:,Wir haben uns ja noch gar nicht gesehen seit Bernhards Abgang.' Währender sich seine Zigarette an meiner Zigarre ansteckte, sagte ich: ,Nein,Majestät, ich war aber vierzehn Tage bei Bernhard in Norderney .' ,So, wiehaben Sie ihn gefunden?' ,Sehr frisch, Majestät, wir ritten alle Tage zu-sammen, und ich war erstaunt, wie schneidig er reitet.' ,So, und wie habenSie ihn sonst gefunden?' ,Eure Majestät wissen, daß ich ein treuer FreundBernhards bin; ich würde aber nicht wagen, meine Eindrücke freimütig zusagen, wenn Eure Majestät mich nicht direkt darauf angesprochen hätten:Ich fand Bernhard auch geistig sehr frisch, aber tief gekränkt, weil er weiß,wie Eure Majestät über ihn sprechen.' ,Es ist mir sehr schwer geworden,mich von Bernhard zu trennen, er hat mich aber in den Novembertagenverraten. Wie wir zusammen standen, durfte er im Reichstag nichtzugeben, daß ich unkonstitutionell gehandelt hätte, er mußte sagen, daßer das alles gewußt und gebilligt hätte.' ,Das kann ich nicht beurteilen, aberEure Majestät wollen verzeihen, wenn ich sage, daß Eure Majestät niemalspopulärer gewesen sind wie jetzt, und das würde doch nicht der Fall sein,wenn Bernhard falsch operiert hätte, wenn er damals anders gehandelt hätte,als er gehandelt hat. Ich kann versichern, daß er das getan, was er in demMoment für das Richtige hielt im Interesse Eurer Majestät und der Dynastie,und daß Eure Majestät niemals einen loyaleren Diener gehabt haben alsBernhard. Die jetzige Popularität Eurer Majestät spricht noch dafür, daßBernhard den richtigen Weg eingeschlagen hat.' ,Ja, gewiß, das Volk jubeltmir überall zu, in ganz Deutschland ist man auf meiner Seite. Das Volk willmir eben zeigen, daß es weiß, daß mir bitter Unrecht geschehen ist.' Ver-zeihen Eure Majestät, aber zu diesem Umschwung hat doch Bernhards ganzeHaltung wesentlich beigetragen, der Erfolg spricht doch für ihn, und wennEure Majestät ihm nun gar vorwerfen, daß er sich damals von Hardenhätte beeinflussen lassen, so ist das doch kränkend. Bernhard hat Harden, dasweiß ich bestimmt, nie gesprochen, nie gesehen oder mit ihm verkehrt. Hardenhat ihn vom ersten bis zum letzten Tage verfolgt und auch jetzt nach seinemSturz.' ,Das mag sein; dann ist es aber indirekt geschehen durch Holstein,der hatte Bernhard ganz eingesponnen das letzte halbe Jahr, der hatDeutschland regiert.' ,Eure Majestät entsinnen sich vielleicht, daß ichHolstein immer gehaßt und seinen Einfluß im Auswärtigen Amt in früherenJahren bedauert habe aber einen solchen Einfluß, wie Eure Majestätglauben, hat er auf Bernhard nie gehabt. Bernhard hat mir oft gesagt, daßer Holstein nach dessen Sturz weiter gesehen habe aus zwei Gründen:erstens weil Holstein zu viel gewußt habe, was er, wenn gereizt, zum