Druckschrift 
3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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DIEDEGAGIERTE" KRONE 59

ist. Ich bezweifle es. Doch genug davon, mögst Du Deinen Gleichmutbewahren wie bisher. In schlaflosen Nächten gehen mir diese Dinge durchden Kopf, und ich konnte mich nicht zurückhalten. Viele Grüße der heben,verehrten Fürstin. In Gedanken viel bei Euch Dein B. K."

In meiner Antwort an meinen Waffenbruder aus großer Zeit, mit demich Schulter an Schulter in der Schlacht an der Hailue attackiert hatte, Bülowshieß es:Ich habe in diesen Tagen manche Zeichen von Anhänglichkeit Antwortund Wohlwollen erhalten, aber keine schöneren und verständnisvollerenals die Deinigen. Als vor bald einem Jahre die Bombe platzte, von der ichnicht wußte, welchen Sprengstoff sie in sich barg, war mein erster undleitender Gedanke, Seine Majestät den Kaiser aus der Schußlinie zu bringen.Ich hatte, mit Arbeit überhäuft, durch schwerwiegende, sehr ernste Auf-gaben der inneren und äußeren Politik absorbiert, im Vertrauen auf meineUntergebenen (Schön, Stemrich, Müller, Klehmet) das Manuskript des,Daily-Telegraph'-Artikels nicht selbst geprüft. Meine Untergebenen hattenaus Bespekt vor kaiserlichen Äußerungen, in der Befürchtung, daß nach-trägliche Korrekturen die Sache noch schlimmer machen könnten, undwohl auch aus Mangel an Perspikazität die Sache durchgelassen. DiesesVersäumte benutzte ich, um in dem Dir bekannten Artikel der ,N. A. Z.'als alleinverantworthcher Beamter im Beich alle Verantwortung auf michallein zu nehmen. Ich stellte das Auswärtige Amt und mich selbstrücksichtslos bloß, um die Krone zu degagieren. In diesem Sinne wurdeauch, soweit sie zugänglich war, auf meine Weisung die Presse instruiert.Es gibt aber Strömungen, die sich nicht länger zurückdrängen, die sich nichtmehr aufhalten lassen. Es gibt Situationen, wo lange angesammelterZündstoff eine Explosion herbeiführt. Trotz meiner Bemühungen gingenöffentliche Meinung, Presse, die ganze Nation über die formale Schuldfrageund über das Versäumnis im Auswärtigen Amt stürmisch weg, um sich nuran die Frage zu halten: Hat Seine Majestät wirklich solche Dinge gesagt?Und wenn ja, wie soll die Wiederholung solcher Vorkommnisse verhindertwerden ? Es war eben seit zwanzig Jahren zu viel vorausgegangen, was dieweitesten Kreise erregt und verstimmt hatte. Gegenüber diesen mitelementarer Gewalt durchbrechenden Strömungen verlor ich nicht denKopf, sondern richtete alle meine Bemühungen auf das eine Ziel: Ver-hindern, daß die Krone aus diesem Sturm geschwächt hervorgehe, dahinwirken, daß sie, wenn der Sturm sich gelegt, ebenso fest und sicher undglanzvoll dastehe wie vorher, im Innern und nach außen, vor den deutschenFürsten und vor dem deutschen Volke. Denn die Kaiserkrone ist derSchluß- und Eckstein unserer Einheit, Sicherheit und Zukunft. Um diesZiel zu erreichen, durfte ich Seine Majestät den Kaiser diesesmal nichtdialektisch verteidigen wie früher im Lippe-, im Swinemünder und in