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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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ARBITER MXJNDI

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als Vernunft den Gedanken entwickelt, daß in allernächster Zeit ein Kriegzwischen Amerika und Japan ausbrechen würde. Auf diesen Krieg lauereer schon seit zwanzig Jahren und sei mehr wie je davon überzeugt, daß einsolcher Konflikt ihm die Entscheidung über das Geschick der Welt in dieHände spielen würde. Mumm hatte, unterstützt von Rosen, vergebÜchwidersprochen.

Am Abend fuhren wir wieder nach Potsdam . Die Soiree zu Ehren desGeburtstags der Kaiserin war sehr glänzend und dauerte lange. Der Kaiserkonnte sich aber nicht entschließen, mich anzusprechen. Statt dessen zoger meine Frau in eine fast anderthalbstündige Konversation. Er vermieddabei, im Gegensatz zu der langen politischen Unterredung, mit der er siebeim Abschiedsdiner im Juli beehrt hatte, jede politische Anspielung.Dagegen wollte er Näheres über die Villa Malta hören und wissen, ob meineFrau sie so schön einrichten würde wie seinerzeit das Reichskanzlerpalais.Der Kaiser hatte eine hohe Meinung von dem künstlerischen Verständnisund dem Geschmack meiner Frau und sagte nicht lange nach meinemRücktritt zu Albert Ballin , der es mir wiedererzählte:Um Bülow ist esnicht schade, aber der Fortgang seiner Frau von Berlin ist ein wahrerVerlust. Sie repräsentierte in dem nüchternen und prosaischen Berlin dasCinquecento." An jenem letzten Abend im Neuen Palais ließ der Kaiserübrigens meiner Frau gegenüber die etwas gereizte Bemerkung fallen:Siesind wahrscheinlich ganz froh, daß Sie mich loswerden, und Sie undBernhard werden in Rom in Ihrer, herrlichen Villa Malta ein viel an-genehmeres Leben führen, als ich es hier habe." Die Soiree im NeuenPalais ging zu Ende, ohne daß der Kaiser mich angesprochen hätte. Um somehr war die Kaiserin ostentativ bemüht, durch wiederholte freundlicheund herzliche Ansprachen das von ihrem hohen Gemahl Versäumtenachzuholen.

Ich habe den Kaiser erst fünf Jahre später wiedergesehen, im August1914, wenige Tage nachdem Wilhelm II. , schlecht beraten von Bethmannund Jagow, aber auch durch eigene Leichtfertigkeit und Hybris in den Krieggestolpert war, der den Zusammenbruch unseres stolzen, mächtigen,glücklichen Reichs herbeiführen sollte. Ich will keinen Zweifel darüberlassen, daß die Undankbarkeit Wilhelms II. und selbst seine Unartenmeine dynastische Treue wie meinen preußischen und deutschen Patrio-tismus selbstverständlich in keiner Weise zu erschüttern vermochten.Ich dachte an unseren alten Herrn, Wilhelm L, und an die Worte, die ernach dem Tode meines Vaters, im Oktober 1879, in Frankfurt a. M. anmich gerichtet hatte, ich dachte an unseren heben Kaiser Friedrich . Wennich in dieser Beziehung noch einer Stärkung bedurft hätte, so wurde siemir zuteil, als die Großherzogin Luise von Baden, die Tochter Kaiser