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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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IM WECHSEL DER ZEITEN

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Rom weh ist, dem -wird's nirgends wohl werden." Goethe war anders alsHerder. Als König Ludwig ihm am 26. März 1829 mitteilte, daß er die VillaMalta erworben habe, meinte unser größter Dichter voll Begeisterung zuseinem treuen Eckermann: von dieser Villa aus könne man das ganze Rom überschauen. Es sei eine Aussicht, welche zu genießen man weit reisenwürde. Goethe läßt durch seinen Diener Friedrich einen Kupferstich vonRom kommen.Sehen Sie", sagt er zu Eckermann,was das für eine Lageist. Das ganze Rom streckt sich ausgebreitet vor Ihnen hin. Der Hügel istso hoch, daß Sie gegen Mittag und Morgen über die Stadt hinaussehen.Hier hegt Sankt Peter, dort der Vatikan . Der König hat sich wahrlich einenschönen Platz ausgesucht."

Auch der große Name von Wilhelm von Humboldt ist mit der Villa ver-bunden. Er zog dort 1801 ein, begleitet von Frau und Kindern, unter diesendie kleine Gabriele, die später meinen Großonkel Heinrich Bülow heiratensollte, den 1846 verstorbenen preußischen Gesandten in London undMinister des Äußern. Caroline von Humboldt schrieb am 9. Dezember 1802aus Rom an ihre Freundin Charlotte von Schiller :Wir haben hier in derVilla Malta die schönste Aussicht: halb Rom , die Peterskirche, die Latiner-gebirge, die großen und einzeln hegenden Bergmassen, die den römischenHorizont begrenzen."

Als Wilhelm von Humboldt sich von Rom hatte trennen müssen,nach dem er sich oft zurücksehnte, wenn ihn ein graulicher Tag hintenim Norden empfing, wurde die Villa Malta das Künstlerheim derLukas-brüder", Overbeck, Vogel, Pforr. 1827 erwarb sie König Ludwig vonBayern, der aus ihr 1829 in seinem kuriosen Stil an Goethe schrieb:Erfreulich: in seinem eigenen Garten, in freyer Erde wurzelnd, zu demfreyen Himmel ragend, aus dunklem Laub die Goldorangen blühend zusehen. Nach meinem ersten Aufenthalt, zwölf Jahre lang sehnte ich michwie nach einer Gehebten nach Roma, jetzo freue ich mich hierherzu-kommen, wie es freut, eine Freundin wiederzusehen, der Zauber ist ver-schwunden, einheimisch bin ich, genieße mit Ruhe. Von des Thrones Kettehabe ich mich für einige Zeit befreyt. Lebe als Privatmann glücklich. Mitden Ihnen bekannten Gesinnungen gegen Teutschlands größten Dichterbin ich, Herr Staatsminister, der Ihren Wert erkennende Ludwig." Dasbescheidene Häuschen, in dem der Bayernkönig so viele Winter verbrachte,dient jetzt als Gärtnerwohnung. Graf Bobrinski hatte Anfang der siebzigerJahre ein neues, nicht allzu geräumiges, aber mit künstlerischem Ver-ständnis und viel Geschmack errichtetes Palais erbaut, in das wir einzogen,das meine Frau mit unseren Bildern, Gobelins, Teppichen und Möbelnschmückte und in dem ich den größeren Teil meiner Bibhothek aufstellte,die mein Vater mit Liebe angelegt und die ich selbst mit Sorgfalt vervoll-