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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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DIE EWIGE STADT

ständigt, erheblich vergrößert und durch manchen seltenen Druck be-reichert habe. Den großen Salon der Villa Malta ziert ein von Graf Bobrinskiin den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts in Venediggekaufter herrlicher Fries von Paolo Veronese , der den Wettstreit desstrahlenden Gottes des Gesanges und Saitenspiels, Phoebus Apollo , mitdem eitlen Flötenbläser Marsyas darstellt. Ich selbst habe später für diegroße Halle einen Fries des Cinquecento-Malers Marcello Fogolino er-worben, der uns den Triumph des Bacchus vor Augen führt, mit einer präch-tig gezäumten Löwin, mit Schildkröten und Putten. Der schönste Schmuckder Halle ist ein kunstvoller Marmorkamin deutschen Ursprungs, denBobrinski aus dem am Tiber gelegenen Palazzo Altemps erwarb. DiesenPalast hat im sechzehnten Jahrhundert Marcus Siticus erbaut, aus demoberrheinischen Geschlecht Hohenems . Der hatte als tapferer Condottieregegen Florentiner und Türken gefochten, vertauschte aber das Koller mitder Soutane, als er bei einem Wagensturz, nicht weit von San Pietro inVincoli, wie durch ein Wunder dem Tode entging. Er wandelte seinendeutschen Namen Hohenems in den römischen Altemps (Alta-Ems)um. Vor seinem Wagenunfall soll er mit einer schönen Genueserin einenSohn gezeugt haben, der Ahnherr des Hauses Altemps wurde. MarcusSiticus wurde Nunzius am Wiener Hofe und fungierte als Legat beimKonzil in Trient, wo er sich als scharfer Ketzerfeind betätigte. Er Hegtin Born begraben, in der Kapelle del Sacramento in Santa Maria inTrastevere . In seiner monumentalen Geschichte der Päpste gedenktLudwig von Pastor des Kardinals Marcus Siticus, der Villa Malta und desKamins in der Villa Malta.

Mein erster Gang in Rom galt dem Blick vom Kapitol hinab auf dasForum und hinüber zum Palatin. Das Forum!And in yon field below,a thousand years of silenced factions sleep." Bei diesem Anblick und in Er-innerung an die Byronschen Verse überkam mich eine Ahnung, daß auchüber den schwarzblauen Block wie über das Ächzen und Krächzen banau-sischer und bildungsfeindlicher Sozialdemokraten das Rad der Zeit weg-rollen würde. Ich dachte an Chateaubriand, der aus Rom schrieb:CetteRome, au milieu de laquelle je suis, devrait m'apprendre ä mepriser lapolitique. Ici la liberte et la tyrannis ont egalement peri; je vois les ruinesconfondues de la republique romaine et de l'empire de Tibere; qu'est-ceaujourd'hui que tout cela dans la meme poussiere? Le capucin qui balayeen passant cette poussiere avec sa robe, ne semble-t-il pas rendre plus sen-sible encore la vanite de tant de vanites ?"

Ich ging nach der Villa Mattei, wo ich oft mit meinem Freunde AdolfWilbrandt geweilt hatte. Er hebte dort die Verse von Eichendorff zuzitieren: