ALLERLEI HASS
7.3
junger Mensch in meine Taschenuhr die Worte aus dem zweiten Kapiteldes Bellum Jugurthinum eingravieren lassen: Animus incorruptus, aeternus,rector humani generis, agit atque habet cuncta, neque ipse habetur.
Durch die persönhchen Angriffe, in denen sich nicht nur der frühere Re-gierungsrat Martin, der Trompeter der von Eckardstein geführten „Kaiser-treuen", sondern auch konservative Blätter gefielen, Heß ich mich in meinerrömischen Ruhe nicht stören. Derartige Schmähungen und Verdrehungenreichten nicht an die Höhe der Verachtung heran, die ich für sie empfand.Im Interesse der Landwirtschaft bedauerte ich die auch nach meinemRücktritt fortgesetzten Anzapfungen der agrarischen „Deutschen Tages-zeitung", aber ohne das Bedürfnis, darauf zu antworten. Wahnschaffe,Chef von Bethmanns Reichskanzlei, der aus eigenem Antrieb mit demRedakteur der „Deutschen Tageszeitung" Dr. Georg Oertel sprach, demMann mit der weißen Weste über dem gewaltigen Bauch, schrieb mir,daß dieser persönlich solche von einzelnen verbissenen Parteifunktionärenwie Dietrich Hahn herrührenden Entgleisungen lebhaft bedaure, schonweil sie der Ausdruck grober Undankbarkeit seien.
Zu meinen treuen und dabei einsichtigen und klugen Anhängern gehörteder langjährige Korrespondent der „Kölnischen Zeitung" in Berlin , Herrvon Huhn, ein früherer Dragoneroffizier, der Ende 1910 meine Auf-merksamkeit darauf lenkte, daß die sinnlosen Anschuldigungen, dieseinerzeit der entlassene Regierungsrat Martin in seinem Buch er-hoben habe, jetzt auch den Weg in den frommen „Reichsboten" gefundenhätten, und zwar in einer besonders gehässigen Form. Herr von Huhnschrieb weiter: „Ich glaube annehmen zu dürfen, daß Eure Durchlaucht zusehr über diesen Angriffen stehen, als daß Sie sich zu irgendeiner eigenenBerichtigung entschließen werden. Diese Rücksicht ist aber nicht für die-jenigen vorhanden, welche die Tätigkeit und das Wirken Eurer Durch-laucht lange Jahre hindurch aus der Nähe verfolgen konnten und dieeinigermaßen wissen, wie die Dinge verlaufen sind. Ich meinesteils habejedenfalls geglaubt, der groben Geschichtsfälschung des „Reichsboten"entgegentreten zu müssen."
Der „Reichsbote", das Organ der streng evangelischen Kreise, das mitVorhebe von der Kaiserin und ihren Hofdamen gelesen wurde, hattemich während meiner Amtszeit nicht selten bekämpft, weil es mich zukatkolikenfreundlich fand, richtiger gesagt: weil ihm meine streng undaufrichtig paritätische Haltung und Politik nicht gefielen. Sein Leiter, deralte Pastor Engel, war aber, wie manche Fanatiker, eine lautere Seele. So-bald er, ohne mein Zutun, darüber unterrichtet worden war, daß seineBeschuldigungen gegen mich vollkommen unbegründet wären, nahm er siemit dem Ausdruck lebhaften Bedauerns und mit seiner eigenen Unter-