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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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EIN VÄTERLICHES VERBOT

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das deutsche Kronprinzenpaar in Rom . Der Kronprinz ließ mich nach seiner DerAnkunft wissen, daß er mich zu seinem lebhaften Bedauern nicht besuchen Kronprinzkönne, da sein Vater ihm ausdrücklich untersagt habe, die Villa Malta zu sogt ° 6betreten. Ich habe auch diese Ungezogenheit mit Ruhe ertragen. Als dergroße Napoleon einmal gegenüber Talleyrand die Haltung verloren hatte,bemerkte dieser trocken:Quel malheur, qu'un si grand homme soit si maleleve!" Ich hatte nicht den Trost, daß es ein großer Mann war, der mirmankierte. Aber es war derselbe Souverän, der dem General von Leszczynski,einem unserer tüchtigsten Generäle, vom Fleck weg den Abschied erteilte,weil dieser als Kommandierender General in Altona dem Fürsten Bismarck im benachbarten Friedrichsruh einen Antritts- und Anstandsbesuch ge-macht hatte. Als Leszczynski einige Jahre später einen kleinen Hof in derNähe von Liebenberg als Ruhesitz erworben hatte, gelang es dem Schloß-herrn von Liebenberg, dem damals noch in Gunst stehenden PhilippEulenburg, für seinen Nachbarn in einem halbstündigen Gespräch mitSeiner Majestät den Schwarzen Adler herauszuschlagen. Am Abend seinerAnkunft in Rom begegnete ich dem Kronprinzen bei dem Diner, das ihmdie Königin-Mutter Margherita gab. Er war verlegen, als er mich erblickte,begrüßte mich aber mit der ruhigen Höflichkeit, die ihm am englischenund am russischen Hof, bei dem alten Kaiser Franz Joseph und dem ehr-würdigen Prinzregenten Luitpold von Bayern im Gegensatz zu seinemHerrn Vater aufrichtige Sympathien erworben hatte. Er wurde freilichnoch verlegener, als ihn die Königin bei Tisch vor mir frug:Warst duschon in der Villa Malta? Nein? Dann gehe nur schnell hin, sie ist sehrschön, und du wirst doch gewiß dem früheren, langjährigen Reichskanzlerdeine Aufwartung machen wollen." Am nächsten Tage besuchte uns dieKronprinzessin. Mit der Anmut, die nicht nur ihre äußere Erscheinungauszeichnet, sondern die bei ihr auch eine Grazie des Herzens ist, sagte siezu meiner Frau und mir:Meinem Mann ist es verboten worden, zu Ihnenzu gehen. Ich komme aber doch."Fra bella e buona, non so qual fossepiu" (Schön oder gut: was war sie mehr, ich weiß es nicht) heißt es in einemalten italienischen Sonett, das auf die Kronprinzessin Cecilie gedichtet seinkönnte.

Wenn ich an das Jahr 1913 zurückdenke, so scheint es mir, als ob dasSchicksal mir das alte, starke, blühende Deutschland vor seinem Untergang Sommerreisenoch einmal in seinem Glück und seiner Schönheit habe zeigen wollen, in die HeimatAnfang Juni verlebten wir gute Tage bei unserem Freunde Loebell inBrandenburg an der Havel. Wir besuchten von dort aus die Ruinen dessagenumsponnenen Zisterzienser-Klosters Lehnin, einstHimmelpfort amSee" genannt, erinnerten uns an das trübe Vaticinium Lehninense und er-freuten uns nachher um so mehr an dem prächtigen Anblick der von der