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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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EINDORF-POLITIKER"

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welche glühender Patriotismus und weise Lebenserfahrungen Ihnen diktierthaben. Möchten doch alle, alle preußischen und deutschen Patrioten, be-sonders die sogenannten Regierenden' Staatsmänner die freibch dasRegieren, d. h. jegliche Tatkraft und Initiative, aufgegeben haben unddie Zügel immer mehr am Boden schleifen lassen diese Lehren undMahnungen nicht nur hören, sondern auch beherzigen, damit sie ihre Pflichttun und sich endlich als Männer zeigen! Und möchten doch auch die Par-teien und ihre eitlen, ehrgeizigen Führer, die, weit entfernt von jedemselbstlosen Patriotismus, nur in bebender Angst auf die törichten, un-klaren und wüsten Stimmen der ,Masse' und ihrer charakterlosen Presse zulauschen sich mehr und mehr gewöhnt haben, sich durch Ihre ernsten War-nungen endlich wieder an ihre nationale Pflicht gegen das Vaterland er-innern lassen!" Der wackere Roon wäre kein Deutscher und insbesonderekein deutscher Parteimann gewesen, wenn er in seinem Brief an mich nichtauf so verständige Worte einen zornigen Angriff gegen eine andere Parteihätte folgen lassen, die doch in den deutschen Lebensfragen auf demgleichen Boden stand wie er selbst.Ich erhebe ausdrücklichen Protest da-gegen und Euer Durchlaucht hoffentlich mit mir, daß liberale Zudringlich-keit Sie, weil Sie ein einziges Mal Ihrer von der der Konservativen Partei ab-weichenden Ansicht und zwar in einer bestimmten Frage öffentlichAusdruck gegeben haben, für sich in Anspruch zu nehmen wagt! Nein, wereine solche Rede halten konnte und durch seine glühende Liebe zum preu-ßischen und deutschen Vaterland gezwungen war, sie so zu halten, der kannnicht zu den verwässerten, kraft- und marklosen Liberalen der beutigenZeit gehören und darf nicht dulden, daß man ihn diesen zurechnet; undumgekehrt: seit Treitschke seine Augen schloß, ist niemals wieder ein Libe-raler imstande gewesen oder wird es je sein, eine solche Rede zu halten wiedie Bülow-Rede auf dem Schlachtfeld von Dennewitz ! Mit der Bitte umNachsicht für den ,Dorf-Politiker', der nicht schweigen konnte, sowie mitunterthänigen Empfehlungen an die Frau Fürstin, Ihre Gemahlin, habe ichdie Ehre, zu verbleiben Euer Durchlaucht stets treu ergebener, dankbarerRoon."

In dem gerade für Ostpreußen so bedeutungsvollen Jahr 1913 ging GrafHans Kanitz heim, einer der besten Söhne dieser Provinz, der Sproß einerFamilie, die an dem Aufschwung von 1813 ruhmvollen Anteil gehabt hatte,der Schloßherr von Podangen, das Schenkendorf besungen hat, wo dasVesta-Feuer preußischer Vaterlandsliebe durch Generationen gehütetworden war. Nach dem Tode von Kanitz schrieb mir Mirbach-Sorquitten,der an seinem Totenbette gestanden hatte:Bei einer der letzten Unter-redungen, die ich mit Kanitz hatte, berührten wir die Nachfolger desFürsten Bismarck in ihrer Eigenschaft als Reichskanzler. Kanitz bemerkte