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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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FÜRST BÜLOW UND DER KOMMUNIST

dazu: ,Dcr Beste war der Fürst Bülow .' Ich stimmte darin mit ihm voll-kommen überein."

Von Dennewitz führte uns unser Weg nach Bremen , wo mir ein HeberReise nach Freund wohnte, der in ungefähr allen wirtschaftlichen und politischenBremen Fragen anders dachte als ich, mit dem mich aber seit Jahren aufrichtigeWertschätzung und gegenseitige Sympathie verbanden, zum ChefredakteurderWeser-Zeitung", Emil Fitger .

Manches Jahr ist verstrichen, seit ich in der letzten Rede, die ich imReichstage gehalten habe, der Hoffnung Ausdruck gab, daß sich der poli-tische Takt bei uns bessern werde und daß auch wir Deutsche allmählichdahin kommen würden, den politischen Gegner nicht eo ipso für einenNarren oder einen Bösewicht zu halten. Das würde dann ein schöner Fort-schritt sein, auf dem uns von unserem größten Dichter empfohlenen Wegeder Abstreifung von Philisternetzen. Mehr als ein Jahrzehnt später, nachWeltkrieg und Umsturz, frage ich mich, ob wir in dieser Beziehung in-zwischen sehr viel weiter gekommen sind. Aber ich empfinde eine gewisseGenugtuung bei dem Gedanken, daß ich mich selbst von solchen Philister-netzen schon früh befreit habe. Im Winter 1919/20 promenierte ich bis-weilen, und nicht ungern, mit einem Kommunisten, dem ich ganz inter-essante Einblicke in die echt marxistische Mentalität und Psyche verdanke.Schließlich sind die Mehrheitssozialisten doch nur verwässerte, opportuni-stische Marxisten. Nicht mit Unrecht hat Franz Mehring sein übrigens be-deutendes, glänzend geschriebenes Buch über Karl Marx der KommunistinKlara Zetkin gewidmet, als der wahren Erbin marxistischen Geistes.Seinerseits machte mir in jenem Winter 1919/20 auf unseren Spaziergängenmein kommunistischer Freund einmal das artige Kompliment, es sei ihmwertvoll, in mir einen der letzten Vertreter präkommunistischer Kulturund Denkungsweise, den vielleicht letzten wirklichenpolitischen Grand-seigneur" kennenzulernen. Matthias Erzberger, Gustav Bauer , selbstdeneleganten" Scheidemann und denschönen" Josef Wirth wollteer nicht recht als solche gelten lassen. Zwischen dem treff liehen Fitger undmir war, wie schon früher so auch diesmal, von einem ernstlichen Disputnicht die Rede. Er ließ mir meinen Bismarck und meinen Treitschke undich ihm seinen Caprivi, dem er ein rührend treues Andenken bewahrte,und seinen verbittert-verbohrten Theodor Barth. Wir bewunderten zu-sammen die Sehenswürdigkeiten von Bremen , das viele Tüchtige undSchöne, das hier in alter Behäbigkeit und Solidität ein kräftiges Bürgertumgeschaffen hat.

In Bremen hörte ich zum ersten Male aus dem Munde Fitgers den NamenFriedrich des Arbeiterführers Ebert, den Fitger mir als einen braven undrelativ"Eben vernünftigen Mann rühmte, namentlich im Gegensatz zu dem damaligen