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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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NACH ROM ?

Ich habe Eure Majestät als jungen Prinzen gekannt, und seitdem ist keinTag vergangen, wo ich nicht mit wahrer, hingebender Anhänglichkeit Ihrergedacht habe, und stets mit dem Wunsch, daß Glück, Segen und RuhmEure Majestät begleiten mögen mitten in allen Gefahren und Schicksalen,die ein so hoher Herr durchlebt. Das weiß ich sicher, daß keiner sich mehrfreuen wird als ich, wenn Eure Majestät siegreich, ruhmvoll und würdigIhrer großen Ahnen, Ihre Feinde besiegen. Eure Majestät, Ihre Majestätunsere gehebte Kaiserin und die heben Prinzen sind von unser allerheißester Liebe und Segenswünschen umgeben. In alter Treue MarieBülow."

Der Kaiser befahl mich für den nächsten Tag nach dem Schloß, wo erAudienz im mich im großen Schloßhof empfing. Ich war bis ins Innerste ergriffen,Schloßhof a i s j scul bleiches, erschrockenes, ich möchte sagen verstörtes Antlitz er-blickte. Er sah erregt und dabei doch abgespannt aus. Die Augen flackertenunruhig. Er schien mir um zehn Jahre gealtert, seitdem ich ihn fünf Jahrefrüher, wenige Monate nach meinem Rücktritt, zum letztenmal im NeuenPalais gesehen hatte. Er legte mir in freundlicher Weise, nach alter Ge-wohnheit, seinen Arm um die Schulter und begann mit der Bemerkung,daß diefürchterlichen" Ereignisse der letzten vierzehn Tage ihn auchkörperlich sehr mitgenommen hätten. Er habe, in Berlin angekommen,vierundzwanzig Stunden das Bett hüten müssen.A little nerves resteure", fügte er mit trübem Lächeln hinzu. Er sprach mir sehr herzlich seinBeileid zum Tode meines Bruders Karl Ulrich aus, dem er stets ein gutesAndenken bewahren werde als einem hervorragend tüchtigen Offizier. Dannerzählte er mir, er habe bei Reichskanzler und Staatssekretär des Äußernangeregt, ob sie mich nicht bitten sollten, die Leitung der deutschen Bot-schaft in Rom zu übernehmen.Es ist eigentheh eine starke Zumutung anSie, daß Sie als gewesener langjähriger Reichskanzler wieder einen Postenübernehmen sollen, den Sie schon vor zwanzig Jahren bekleidet haben. Esist das so, als ob man einen Feldmarschall bitten wollte, wieder eine Divi-sion zu führen. Aber ich denke, Sie werden es tun, wenn Sie mir damit einenDienst erweisen." Ich erklärte mich sofort zu allem bereit. Nicht ohne Ver-legenheit fuhr der Kaiser fort:Der Kanzler hat mir erklärt, er müsse dar-auf bestehen, daß der ihm persönlich nahestehende Herr von Flotow nichtabberufen werde, sondern, selbst wenn Sie jetzt nach Rom gingen, als Bot-schafter weiter fungiere. Er hätte aber nichts dagegen, daß auch Sie nachRom führen und sich dort Flotow nützheh machten." Ich entgegnete, daßich selbstverständlich jede Eigenhebe, die in diesem Falle und in unsererLage erbärmlich sein würde, aus dem Spiele ließe. Wenn aber die Führungder Botschaft nicht in meine Hände gelegt würde, könnte ich unmöglichhelfen. Ein solches Condominium würde nur zu Mißverständnissen und