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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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DAS ODIUM DES ANGRIFFS

von 1914 vergessen, die Begeisterung, den heroischen Trotz, wie sie demFeind und dem Schicksal die Brust bot. Von allen Seiten strömten jubelndund singend Freiwillige zu den Fahnen. Noch in meiner Sterbestundewerden mir die Verse im Ohre klingen, die damals das Ver sacrum, derheilige Frühb'ng des deutschen Volkes, beim Ausrücken einer Welt vonFeinden entgegensang:

Gloria Victoria!

Ja, mit Herz und Hand

Fürs Vaterland!

Die Vöglein im Walde,

Die sangen so wunder-, wunderschön:

In der Heimat, in der Heimat,

Da gibt's ein Wiedersehn.

Es gibt im Thucydides, der wie kaum ein anderer Historiker die Gabehat, ewige Bilder in das Gedächtnis der Menschheit einzugraben, einewundervolle Schilderung der Abfahrt der Expedition, welche die Athener gegen Syrakus ausgerüstet hatten. Männer und Frauen sitzen auf denStufen des Parthenon , an den Abhängen des Hymettos und des Pentekkonund sehen der abfahrenden Flotte nach mit Stolz, mit Wehmut, mit freu-diger Hoffnung auf den Sieg. So blickte ganz Deutschland auf das Heervon 1914, von dem unser erbittertster Gegner, der französische MarschallFoch, gesagt hat, es sei die beste Armee gewesen, die jemals die Weltgesehen habe, das Heer, das in vier Kriegsjahren an Tapferkeit undZähigkeit im Schlagen und Ertragen Unvergleichliches und Unvergänglichesleisten sollte. Wer jene Augusttage von 1914 erlebte, mußte sich in Ehr-furcht beugen vor der Größe des deutschen Volkes, vor seiner stürmischenTapferkeit, seiner männlichen Tüchtigkeit, seiner seelischen Reinheit,seinem Idealismus, vor der Armee, dem Volk in Waffen, die diese Tugendenwiderspiegelte. Und doch mußte ein einigermaßen erfahrener Beobachtersich sorgenvoll fragen, ob selbst ein Heer wie das deutsche imstande seinwürde, die Wirkungen der von dem leitenden deutschen Staatsmannbegangenen politischen Fehler zu paralysieren.

Fürst Bismarck hatte es verstanden, sowohl 1870 wie selbst 1866, demDie Kriegs- Gegner die formale Kriegserklärung zuzuschieben. Da nun einmal dererklärung an Schein die Welt regiert und da, wie schon die Griechen sagten, der ScheinRußland Q £ t ^richtigei j s t a i s fc e Wirklichkeit, brachte Bismarck auf diese Art dieunendlich wichtigen Imponderabilien in sein Spiel. Bethmann Hollweg warplump und ungeschickt genug, das Odium des Angriffs auf uns zu laden.Wenn es bis zu einem gewissen Grade verständlich ist, daß wir, nachdemwir uns mit Rußland im Krieg befanden, den Stoß gegen Frankreich so