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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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SCHROFFER ABBRUCH

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aggressives sei und somit dem Grundgedanken des Dreibundes wider-spräche, überdies auch die italienischen Interessen schädige. Der Ministerließ dabei einfließen, daß auch Rumänien ebenso wie Italien seine Inter-essen durch das gewaltsame Vorgehen Österreich-Ungarns gegen Serbien bedroht sähe.

Am 3. August richtete König Viktor Emanuel ein Telegramm an KaiserWilhelm , um ihm endgültig mitzuteilen, daß nach Ansicht seiner Regierung Dieder Casus foederis nicht vorhege. Gleichzeitig überreichte der italienische ^ eutBotschafter in Berlin die Neutralitätserklärung Italiens . Der gleiche Schritterfolgte in Wien, wo Graf Berchtold dem italienischen Botschafter, demHerzog von Avarna, wutschnaubend erwiderte, Italien treibe eineun-kluge" Politik, die esbitter" bereuen werde. Es sollte leider umgekehrtkommen. Nachdem wir Rußland den Krieg erklärt hatten, wollte Wien ,jetzt der Knochen des Pommerschen Grenadiers ganz sicher, weniger dennje von Kompensationen für Itahen etwas wissen. Graf Berchtold ließ durchden österreichischen Botschafter in Berlin dem Kanzler sagen, die Neutra-lität Itahens genüge ihm, und er werde über Kompensationen überhauptnicht mehr verhandeln. Zu dieser schroffen Erklärung hatte ein Telegrammvon Merey beigetragen, der nach Wien gemeldet hatte, daß San Giulianoausdrücklich auf den Italienisch sprechenden Teil von Tirol, das Gebiet desehemaligen Fürstbistums Trient , hingewiesen hätte.

Das deutsche Volk war nicht nur mit Entschlossenheit, sondern mitvoller Zuversicht auf Erfolg und Sieg in den Krieg eingetreten. Die stolzenErinnerungen der preußischen Geschichte, die Erinnerung an den Sieben-jährigen Krieg, wo der große König an der Spitze des damals weit kleinerenPreußen drei Großmächten widerstanden hatte, an die Erhebung gegenNapoleon, wo nach Jena und Tilsit das geschwächte und ausgesogenePreußen mit heldenhafter Anstrengung die Ketten des korsischen Zwing-herrn zerbrochen hatte, vor allem die Erinnerung an die drei siegreichenKriege der Bismarckschen Ära ließen dauernde Mißerfolge oder eine wirk-liche Niederlage der Mehrheit des deutschen Volkes fast unmöglich er-scheinen. Trotz des Rückzuges an der Marne und der furchtbaren Opfer vorVerdun und an der Yser blieb die Stimmung der Nation eine hochgemute.Einen schönen Ausdruck gab ihr das Reiterlied von Rudolf AlexanderSchröder , dessen erste Strophen lauten:

Wir reiten von Wäldern und Schluchten verborgen,Wir traben hinein in den dämmernden Morgen,Deutschland, Deutschland !

Es wiehert und stampfet der Scheck und der Schimmel,Es klappert und trappelt der Hufe Gewimmel,Rot leuchtet der Himmel.