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Auswärtigen Amtes auf hundert Bedenken. In der Türkei sieht es nichtrosig aus. Munitionsmangel, hervorgerufen durch Rumäniens Weigerung,unsere bezüglichen Transporte durchzulassen. Weder am Suezkanal nochin Ägypten irgendein Ziel für eine erfolgreiche Operation. Wie die Lage sichgestalten wird, ist es gar nicht zu verstehen, warum wir nicht mit demgrößten Nachdruck in Wien dahin wirken, daß man sich auch unter erheb-lichen Opfern mit Italien verständigt. Es ist für Österreich eine bittere Not-wendigkeit, die an der italienischen Grenze gehaltenen Streitkräfte für dieendliche Bewältigung der Serben frei zu machen. Daß es Österreich nichtgelang, schnell mit den Serben fertig zu werden, hat m. E. die militärischeLage für uns sehr verschlechtert. Hätten die Österreicher die Serben schnellzu Boden geworfen, so hätten sie durch Konzessionen diese kleine, tüchtigeMacht sich verbünden können und damit eine Situation schaffen, die demZaren vielleicht den Vorwand für einen Separat-Frieden gegeben hätte.Gott besser's! Ich gehe bald für einige Zeit nach Berlin und werde Zimmer-mann zu einer energischen Aktion gegen Österreich zwecks Einigung mitItalien dringend raten. Militärische Erfolge, die wir erreichen, werden denDreiverbandsmächten zu noch stärkerem Werben in Rumänien und Italien den Anlaß geben. Mih'tärische Mißerfolge w _ erden die ohnehin bestehendeNeigung, gegen Österreich vorzugehen, dort und in Bukarest erhöhen. Wirsind also between the devil and the deep sea und sollten suchen, bald einenehrenvollen Frieden zu machen. Was wir erreichen, ist ja an sich groß!Gegen diese Welt von Feinden den Krieg im Feindesland konzentrieren undsich so glänzend halten, ist sicherlich eine große Leistung."
Der Generaldirektor des Scherischen Verlages, der mit dem GroßenHauptquartier enge Fühlung hatte und häufig dort weilte, Herr Eugen Brief iZimmermann, der drei Jahre später Wilhelm II. bei der Abfassung seines EugenBuches „Gestalten und Erscheinungen" unterstützen sollte, hatte mir Zimmeschon vor meiner Abreise nach der Ewigen Stadt geschrieben: „Über dieKriegslage macht sich allgemein eine pessimistische Auffassung bemerkbar.Es geht sehr langsam und nur mit enormen Verlusten vorwärts. Die Gegnergewinnen viel Zeit, Gegenmaßregeln zu treffen. Russische Artillerie wirddurch japanische ergänzt. Die Franzosen ziehen immer mehr Farbige heran.Die Engländer bilden fieberhaft aus. An der Yser verloren wir bis zum1. November rund lunfzigtausend Offiziere und Soldaten. FünfzigjährigeOberleutnants und Kompagnieführer sind durchaus keine Seltenheit an derFront. Der Kampf kommt immer mehr auf die Entscheidung durch brutaleGewalt heraus. Die Kriegskunst tritt zurück. Eine operative Überlegenheitist nicht bemerkbar. Unsere Überlegenheit an Zahl im Westen (zirka drei-hundertfünf zigtausend Mann) dringt nicht durch. Trotz allem kann undmuß man auf den endlichen Erfolg hoffen. Aber je mehr er der Armee, dem