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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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HELFER BÜLOWS

Schwatzbude im Reichstag schließen, die Minister für ziemlich überflüssigerklären und bitten, auch fernerhin von Kommandierenden Generälenregiert zu werden." Isaak war der Spitzname des Generals von Kessel,eines besonderen Lieblings Seiner Majestät, der während des Krieges alsstellvertretender Kommandierender General des Gardekorps und Gou-verneur von Berlin fungierte. Die Zukunft hat leider nicht Wilhelm II. recht gegeben, sondern der Königin Margherita.

Eine gute Stütze war mir während der schweren Wintermonate der

Hindenburg Botschaftsrat von Hindenburg . Er war ein Sohn des damals schonverstorbenen Generals von Hindenburg , eines alten Gardeschützen, derein leibbcher Vetter des großen Feldmarschalls war. Durch seine Mutterwar der Botschaftsrat von Hindenburg ein Enkel des langjährigen Bot-schafters in Paris und London, des Fürsten Herbert Münster. Er selbst warvermählt mit einer Engländerin, die sich mit Takt, mit Würde und Herzens-güte in die schwerige Lage fand, in die sie durch den Krieg zwischen ihrerHeimat und dem Lande ihres Mannes geriet. Militärattache war der Major

. Schweinitz von Schweinitz, der Sohn des ehemaligen deutschen Botschafters inWien und in St. Petersburg . Wie viele Hoffnungen wurden durch den Kriegund seine Folge, die Revolution, zerstört! Wilhelm von Schweinitz war einhervorragend tüchtiger, dabei hochgebildeter Offizier, dem eine schöneZukunft winkte. Er hätte einen gleich guten Kommandierenden Generalwie Botschafter, Generaladjutanten wie Oberhofmarschall abgegeben.Wenn ich ihn ansah, dachte ich an das Wort von Goethe, daß die größtenVorteile in der Gesellschaft ein gebildeter Offizier genieße. WilhelmSchweinitz vereinigte die Vorzüge zweier Rassen. Von väterlicher Seiteentstammte er einer alten schlesischen Adelsfamilie und besaß alle gutenEigenschaften des preußischen Junkers. Von seiner amerikanischen Mutterhatte er weiten Blick und praktischen Sinn geerbt. Als Wilhelm vonSchweinitz geboren wurde, es war in der ersten Hälfte der siebziger Jahre,hatte der Vater, der damalige deutsche Botschafter in Wien , seinenSchwiegervater, den amerikanischen Gesandten Mr. Jay, indem er auf dieWiege bhckte, in welcher der Knabe lag, gefragt:Was soll nun der Jungewerden, Kaiser von Amerika oder Präsident der deutschen RepubUk?"Die erste Eventualität dürfte ganz ausgeschlossen sein, die zweite nichtwahrscheinlich. Wilhelm Schweinitz und Herbert Hindenburg waren mirloyale und treffUche Mitarbeiter. Vor allem fand ich eine nie versagendeStütze an dem einige Wochen vor meiner Ankunft in Rom der bayrischen Ge-sandtschaft beim Quirinal zugeteilten bayrischen Kämmerer und Geheimenv. Stock- Legationsrat Franz Xaver von Stockhammern, der mir und demhammern Vaterlande durch seine Vertrautheit mit italienischer Sprache und Kultur,seine Arbeitskraft und Arbeitslust, noch mehr durch seinen zuverlässigen