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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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UNTER ABSOLUTER DISKRETION

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Ich wäre seinWohltäter" gewesen, aber Flotow wäre seinHerzens-freund". Mit diesem Bittgang hatte Jagow bei mir kein Glück. Ich habeihn auch weiter überall geschnitten, namentlich im Herrenhause, in dasihn der Kaiser auf den Vorschlag von Bethmann berufen hatte, obwohler in dies Haus und zu dessen patriotischen und großen Traditionenpaßte wie Pilatus ins Credo.

Bald nach meiner Ankunft in Berlin wurde mir von einem Flügel-adjutanten mit der Bitte um absolute Diskretion erzäldt, daß der Kaisermich nach meiner Bückkehr aus Born habe empfangen wollen, um mir fürmeine Bemühungen zu danken. Bethmann und Jagow hätten Seiner Ma-jestät aber gesagt, daß mein Empfang und nun gar eine Auszeichnung fürmich einen schlechten Eindruck in Wien hervorrufen würde. Es läßt sichunschwer denken, mit welcher Genugtuung der von dem HofmarschallBeischach ständig auf dem laufenden gehaltene österreichische BotschafterGottfried Hohenlohe über diese meine Brüskierung nach Wien berichteteund wie sehr die Schwächlichkeit Bethmanns die Dreistigkeit des Wiener Kabinetts ermutigen mußte. In den nächsten Tagen beehrte die Kaiserinmeine Frau und mich mit einer Einladung zum Frühstück, bei dem außeruns nur ihre Tochter, die Herzogin von Braunschweig , und deren Gemahlzugegen waren. Die Kaiserin dankte mir in rührender Weise für meineTätigkeit in Born. Sie verschwieg mir nicht, daß der Kanzler und derStaatssekretär des Äußern ihren hohen Gemahl verhindert hätten, mich zuempfangen.

Nicht lange nachher erhielt ich von Bethmann den nachstehenden Brief:Verehrter Fürst, in der Unterhaltung, die ich unlängst in meinem Hause Bethmannmit Ihnen führen durfte, habe ich einige Details für den Grad des Druckes befürchtetangeführt, den wir im Verlauf der italienischen Krisis auf das Wiener KritikKabinett ausgeübt haben. Nach dem Mißerfolg, mit dem die Krisis geendethat, sucht die politische Diskussion begreiflicherweise nach dem Schuldigenund ist, wie ich höre, geneigt, ihn weder in Wien noch in Born, sondern inBerlin zu finden. Ich fürchte, daß solche Betrachtungen dem Vaterlandenicht zum Nutzen gereichen. Die fest begründete Stellung, die Eure Durch-laucht in der Wertung der öffentlichen Meinung einnehmen, schützt, wiedie Haltung der gesamten Presse und der laute vom Beichstag meinenWorten gespendete Beifall zeigt, vor jeglicher Anzweiflung Ihrer rastlosenin Born entfalteten Tätigkeit. Sie bedarf keines Schutzes. Dem Wiener Kabinett sein voll gerütteltes Maß an Verantworthchkeit in der Öffentlich-keit zuzuschieben, verbietet mir und allen offiziellen Persönlichkeitenwährend der Dauer des Krieges die einfachste politische Bäson. Jetzt kannich nicht auf die schweren Fehler der österreichischen Politik gegenüberItalien hinweisen lassen, die bis in die letzten Jahrzehnte zurückreichen,

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