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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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DER ERZIELTE AUFSCHUB

Spitze dieses Dienstes gestanden hat. Unter Wahrung dieser Diskretion binich der von mir wohlbekannter Seite verbreiteten tendenziösen und un-wahren Behauptung entgegengetreten, als ob ich nach meinem Eintreffenin Rom die Verhältnisse zu schwarz gemalt hätte, wenn ich pflichtgemäßauf die Gefahr eines italienischen Vorgehens gegen Österreich hinwies. DieTatsache, daß es mir trotz der größten Schwierigkeiten und allem, was vormeinem Eintreffen in Rom versäumt und verdorben worden war, gelungenist, dieses italienische Vorgehen um Monate hinauszuschieben, darf ich wohlals Beweis dafür gelten lassen, daß meine persönliche Position in Rom, dieich rückhaltlos in den Dienst des Landes gestellt habe, eine bessere war, alsmündlich und schriftlich von einer anderen, Ihnen ebenfalls bekanntenStelle, vor meiner Entsendung nach Rom verbreitet wurde. Wenn Sie,lieber Herr von Bethmann, auf angebliche Äußerungen von mir über dieVorgeschichte des Krieges hindeuten, so bitte ich, mir diejenige Personzu nennen, die gewagt hat, zu behaupten, daß ich in meinen Worten geradeüber diesen Gegenstand Unzutreffendes gesagt und die Grenzen über-schritten hätte, die mir mein Patriotismus, meine Vergangenheit und meinepersönliche Würde ziehen. Ich weise jede derartige Insinuation mit dergrößten Entschiedenheit zurück. Es bedarf für mich nicht der Erinnerung,daß in dem furchtbaren Kampf, in den die Nation hineingeführt wordenist, Einheit und Geschlossenheit nottun. Daß solche Geschlossenheit undEinheit die Vorbedingung wie des Sieges so eines würdigen Friedens sind,ist mir wohl bewußt, und wo ich Gelegenheit fand, habe ich gerade diesbetont. Wenn Ihnen hinterbracht sein sollte, ich hätte geäußert, dieserKrieg streife nahe an einen Präventivkrieg, u. ä., so ist der Denunziantentweder nicht imstande, die Tragweite einer politischen Äußerung richtigeinzuschätzen, oder er sagt bewußt die Unwahrheit. Was aber meine eigeneAmtsführung anlangt, so möchte ich hier nicht auf diesen Gegenstand aus-führlicher eingehen und beschränke mich auf den Hinweis, daß Sie mitden Vorgängen von 1905 und 1908/1909 naturgemäß m'cht näher ver-traut sein können. Ich will hier nur daran erinnern, daß es mir gelungenist, unter Aufrechterhaltung des Friedens mit Frankreich, Japan und vorallem mit England, guter Beziehungen zu Rußland, unter Erhaltung derösterreichischen Machtstellung wie der Integrität der Türkei die Vor-bedingungen für den Bau unserer Flotte in zwölf sehr kritischen Jahren zuschaffen, während deren sich Wohlstand und Machtstellung des Reichs zuschöner Blüte entfalteten. Das werden Sie gewiß anerkennen, der Siewährend der fünf Jahre zwischen dem Juni 1909 und dem Juli 1914 ofthervorgehoben haben, daß wir trotz gelegentlicher Differenzen in dieseroder jener Einzelfrage in friedlichen und freundlichen Beziehungen zu Ruß-land wie zu England und sogar zu Frankreich stünden, die in der Begegnung