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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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HERR VON DANDL

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stellte sich auf die Seite der Aufrührer. Prinz Heinrich und Prinz Adalbertverließen Kiel . Am 5. November wurde, endlich, der Sowjet-BotschafterJoffe wegen seiner revolutionären Propaganda aus Berlin ausgewiesen,nachdem einige beim Ausladen auf der Bahn zu Schaden gekommene, fürdie Botschaft bestimmte Kuriersäcke, als deren Inhalt sich revolutionäreSchriften in deutscher Sprache herausstellten, den unwiderleglichen Beweisgeliefert hatten, daß Joffe es als seine vornehmste Aufgabe betrachtet hatte,die Revolution in Deutschland zu schüren. Der Brunnen wurde zugedeckt,nachdem das Kind hineingefallen, nachdem die Revolution ausgebrochenwar.

Von Kiel griff das Feuer rasch nach Hamburg, Bremen und Lübeck über, erstreckte sich von da über die ganze Küste und weiter nach Nord-, DieWest- und Mitteldeutschland. Dank der Kopflosigkeit des bayrischen RevolMinisterpräsidenten Dandl, der den Versicherungen des Sozialisten Auer, Münldie für den 8. November auf die Theresienwiese von den Radikalen ein-berufene Massenversammlung werde harmlos verlaufen, Glauben ge-schenkt und dabei übersehen hatte, daß Auer in der Münchner Bewegungschon allen Boden unter den Füßen verloren hatte, gelang es einem land-fremden, galizischen Abenteurer, dem über Nürnberg nach München ver-schlagenen ehemaligen BerlinerVorwärts"-Redakteur Kurt Eisner , ebendiese Massenversammlung mit sich fortzureißen, in München den Frei-staat Bayern auszurufen und die Wittelsbacher Dynastie für abgesetztzu erklären, die länger als ein Jahrtausend in Bayern regierte und derzweifellos die große Mehrheit des bayrischen Volkes in Treue und Dank-barkeit anhing. Als geradezu groteske Naivität der Münchner Staats-männer Dandl und Brettreich muß es bezeichnet werden, daß sie wenigeTage vorher alles darangesetzt hatten, um vom Oberreichsanwalt in Leipzig die Haftentlassung Eisners zu erwirken, der wegen einer Anklage auf Hoch-verrat im Untersuchungsgefängnis Stadelheim bei München saß. Gegen-über dem Oberreichsanwalt, der sich ablehnend verhielt, hatte Herrvon Brettreich es telephonisch als seine und Herrn von Dandls Uberzeugungbezeichnet, die Entlassung Eisners werde auf die aufgeregte Münchner Be-völkerungberuhigend" wirken. Einem Vertrauensmann der Reichsleitunggegenüber, der sich in diesen Tagen informationshalber in München auf-hielt, hatte der Präsident der bayrischen Abgeordnetenkammer, Exzellenzvon Fuchs, mit Anerkennung hervorgehoben, daß Herr von Dandl demKönig mit vollem Recht abgeraten habe, den Oberbürgermeister von Nürn-berg , den späteren Reichswehrminister Dr. Geßler, zu empfangen.DieserGeschaftelhuber, der Geßler, will dem König weismachen, daß der Eisner die Revolution vorbereiten will und daß schleunigst eingegriffen werdenmuß, wenn nicht der König abdanken soll. Der Dandl aber, das ist ein