DER MARSCHALL FOCH
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mühselige Übersetzungsarbeit seines Büros abwarten mußte, um sich über-haupt ein Bild von dem zu machen, was die Gegenseite verlangte. KostbareStunden gingen hierbei verloren.
Was Marschall Foch in Compiegne begonnen hatte, wurde bei den wei-teren Verhandlungen in Trier, Mainz und Spa System: dem Gegner kurzeFristen setzen und rücksichtslos abreisen, wenn die Frist abgelaufen war.Der Schaden, den die absolute Unfähigkeit Erzbergers zur Führung der-artiger Verhandlungen angerichtet hat, ist nicht zu bemessen und ist niewieder gutzumachen. Er hatte geglaubt, als Zivilist, als „Volksmann" demfranzösischen Marschall Vertrauen einzuflößen, erfuhr aber von ihm nureine hochmütige und verletzende Behandlung. Erzberger kam unter denDruck von Foch, dem die Hilf- und Abwehrlosigkeit des deutschen Ver-handlungsführers eine Art sadistischer Freude bereitete, von Verzicht zuVerzicht.
Es dauerte lange, bis die Erkenntnis von seiner Unzulänglichkeitüber den Salonwagen hinausdrang, der Erzberger in jenen Monaten wieder-holt zu Marschall Foch führte. Die ersten substantiierten Klagen kamen ausden Kreisen der Reederei und Schiffahrt, deren Interessen Erzberger zuleichtfertig vertreten hatte, als daß sie dazu hätten schweigen können. Erz-berger hatte, leichtsinnig und unüberlegt wie er war, die Aufforderung desMarschalls Foch, sich in Trier zu einer dreitägigen Verhandlung einzu-finden, dahin beantwortet, daß ihm zwei Verhandlungstage genügten. Be-stimmend für dieses seltsame Verhalten war sein Wunsch gewesen, Trier auf dem Umweg über die Schweiz zu erreichen, wo er einen der Agenten zusehen beabsichtigte, die dort in seinem Solde sich gute Tage machten, ohneetwas Greifbares dafür zu leisten. Als die Waffenstillstandskommission inTrier eintraf, stellte es sich heraus, daß Foch gute Gründe gehabt hatte,drei Verhandlungstage vorzuschlagen. Er wünschte über die Modalitätender Auslieferung der deutschen Handelsflotte zu verhandeln und war derAnsicht gewesen, daß hierzu die Zuziehung von Sachverständigen ausReederei- und Schiffahrtskreisen notwendig war. Da Foch seinen Verhand-lungsgegenstand nicht vorher zu präzisieren pflegte, war dies eine voll-kommene Überraschung, und die in aller Eile telegraphisch herbeigerufenenSachverständigen kamen, dank dem unüberlegten Verzicht Erzbergers, eineStunde vor der zur Unterzeichnung der Abmachungen bestimmten Frist an,auf der Marschall Foch unerbittlich beharrte.
Es war unter diesen Umständen nicht zu verwundern, daß Erzberger,der Reklame ungeachtet, die er für sich machte, durch seine mangelhafte GrafGeschäftsführung allmählich auch die Unzufriedenheit Eberts und Scheide- Brockdorff-manna erregte, die eine Reise Erzbergers nach der Schweiz benutzten, um R antzauden Grafen Brockdorff-Rantzau mit der Vorbereitung der Friedens-