VERLOREN
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Friede ohne vorhergegangene Verhandlungen, ein Diktatfriede wie dervon Versailles ist so wenig ein wirtlicher Friede, wie es eine Eigentums-übertragung ist, wenn ein Raubmörder einen Unglücklichen zu Bodenschlägt und ihn dann zwingt, ihm sein Portemonnaie auszuhändigen.
Im Frieden von Versailles verloren wir über siebzigtausend Quadrat-kilometer mit über sieben Millionen Einwohnern. Wir verloren nicht nurdie Reichslande, Straßburg , die wunderschöne Stadt, und die Feste Metz,um die und für die so viel teures deutsches Blut geflossen war, wir verlorenauch Posen, unsere Kornkammer. Wir verloren den größeren Teil von West-preußen , das schon im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert durch denDeutschen Orden für das Deutschtum gewonnen, im achtzehnten Jahr-hundert durch den großen Preußenkönig wiedergewonnen worden war. Wirverloren Teile von Ostpreußen , ja von Pommern. Wir verloren den größtenTeil von Oberschlesien und damit ein Hauptzentrum der deutschen In-dustrie. Wir verloren sogar das urdeutsche Danzig, die Heimat von Schopen-hauer, Fahrenheit, des genialen Kupferstechers und Malers Chodowiecki ,eine der schönsten und ehrwürdigsten deutschen Städte. Wir verloren einenTeil von Nordschleswig, das deutsch gesinnte Huldschinerländchen, diewallonischen, aber treu an Deutschland und Preußen hängenden Bewohnervon Eupen und Malmedy . Als Büttel, um den gefesselten Riesen zu be-wachen, wurden uns Polen und die Tschechoslowakei in die Flanken gesetzt.Beide uns feindlich gesinnten Länder durften ihre Heere behebig vergrößern,das stand auch den Siegerstaaten frei, während unser Heer, einst dasstärkste, das tapferste der Welt, auf eine kaum zur Aufrechterhaltung derinneren Ordnung genügende Poüzeitruppe reduziert wurde. Unsere schöneMarine wurde auf wenige Linienschiffe und Kreuzer beschränkt. Alleanderen Schiffe mußten ausgeliefert werden. Wir allein durften keineU-Boote haben, Küstenbefestigungen nur in beschränktem Umfange. Kiel wurde offener Hafen, Helgoland entfestigt. Die Versenkung der Panzer-schiffe durch die deutsche Besatzung bei Scapaflow war ein Sonnenstrahlaus dunklem Gewölk. Es wurde uns, vielleicht der größte Schimpf, jeden- Diefalls die größte Lüge, ein Schuldbekenntnis abgezwungen, in dem wir gegen Schuldfragedie Uberzeugung unseres ganzen Volkes anerkannten, wir wären als diealleinigen Urheber des Krieges verantwortlich für alle Verluste undSchäden, welche die Ententestaaten infolge des ihnen durch den deutschen Angriff aufgezwungenen Krieges erlitten hätten. Wir hatten der Entente,wie ich kaum noch einmal hervorzuheben brauche, den Krieg nicht nurnicht aufgezwungen, sondern wir waren im Sommer 1914 durch dieEinfältigkeit und Ungeschicklichkeit unserer Regierenden in die unsgelegten Netze hineingestolpert.
Das neue Regime hat geglaubt, die Sache Deutschlands in der Schuld