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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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XXIV. KAPITEL

Der Geist von Weimar Erzberger Die politische Unfähigkeit der führenden Männerin Weimar Fehler des alten Systems, seine Stellung zum Parlamentarismus WievieleReichskanzler seit der Revolution ? Hat Bismarck die Stellung der Krone zu starkgestaltet? Rückblick Bülows auf sein eigenes Leben Bülow nicht einseitiger Lau-dator temporis acti Symptome allmählicher Besserung der Verhältnisse in Deutsch-land Hindenburg Deutschlands Zukunft

Der Geist, aus dem die eben charakterisierten Akten-Publikationenhervorgingen, war der Geist von Weimar , aber nicht der Geist von Goethe Dieund Schiller, sondern der Geist, unter dessen Ägide die National- NeuordnungVersammlung stand, der neben dem Abschluß des Friedens mit den alliierten von 1919und assoziierten Mächten die durch den Umsturz notwendig gewordeneRegelung unserer neuen staatsrechtlichen Verhältnisse oblag. Es war jenerWeimarer Geist, dem der gute Fritz Ebert huldigen wollte, als er alsersterwählter Reichspräsident am Doppelstandbild unserer Dichterfürstenin Weimar einen Kranz niederlegen ließ mit der Inschrift:Genio loci ."Es war der Lügengeist, der 1918/1919 die Köpfe der damals Deutschland führenden Männer umnebelt hat. Es ist der Geist des falschen Pazifismus,einer erträumten internationalen Verbrüderung, der Geist einer über-stürzten und falsch verstandenen Demokratie. Es war der Wahnglaube,daß das deutsche Volk, sobald es seine Dynastien verjagt, sein Heer undseine Flotte aufgelöst, seine Handelsschiffe ausgeliefert, mit allen großenTraditionen seiner Vergangenheit gebrochen, seinen redlichen Willen zurDemokratie bekundet habe, auf die Sympathie der ihm früher feindlichenMächte und auf Unterstützung für seinen Wiederaufbau rechnen könne.Die Phantasten von Weimar übersahen, daß die Entente, in der klarenErkenntnis, daß die im deutschen Volke schlummernden Kräfte, daß seinSinn für Arbeit und Ordnung, daß seine Begabung auf technischem undorganisatorischem Gebiet Deutschland in Bälde den Wiederaufstiegermöglichen würden, entschlossen war, alles aufzubieten, um das deutscheVolk auf möglichst lange hinaus in politischer und wirtschaftlicher Ver-krüppelung zu halten. Unsere Phantasten und Ignoranten haben densadistischen Haß der Franzosen unterschätzt, ihre neurasthenische Furchtvor der automatischen Bevölkerungszunahme Deutschlands nicht genügend

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