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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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MILITÄRS

Prophet zu sein, vorhersagen, daß die ehrlichen Konservativen sich baldzurücksehnen werden nach der Zeit, wo sie mit ehrlichen Liberalen ver-handeln konnten. Aus zahlreichen Versammlungen kenne ich die Stim-mung des deutschen Volks. Herr von Heydebrand hat in seinem Macht-bewußtsein, dem man nicht nur gegenüber der Regierung, sondern auchgegenüber dem Thron seit langer Zeit sehr offen Ausdruck gegeben hat,dem konservativen Gedanken für die Zukunft einen sehr schlechten Diensterwiesen. Euer Durchlaucht aber werden bei dem hoffentlich nur vorüber-gehenden Rücktritt vom Amt begleitet von dankbarer Verehrung und Liebedes größten und sicherlich nicht schlechtesten Teils des deutschen Volkes."Der Gesamtverband der Evangelischen Arbeitervereine trug mir ebenso wieder Bund vaterländischer Arbeitervereine die Ehrenmitgliedschaft an, dieich mit Dank und Genugtuung annahm.

Mehr noch als Anerkennung und Zustimmung von politischer Seite er-freuten mein Herz die Zuschriften, die ich bei meinem Scheiden aus denReihen der Armee erhielt, an der ich mit ganzer Seele hing, seitdem ich imglorreichen Jahr 1870 des Königs Rock angezogen hatte. Der langjährigeGeneral Chef des Militärkabinetts, der Generalfeldmarschall von Hahnke, diesesHahnke Bild eines echten preußischen Gardeinfanteristen, schrieb mir unter dem14. Juli 1909:Unter den Unzähligen, die heute am bedeutungsvollen Tagedes Niederlegens des Kommandostabes als Reichskanzler Ihnen ihre Ver-ehrung und allergrößte Hochachtung zum Ausdruck bringen, möchte ichnicht fehlen. Wer eine Ahnung davon hat, welche Charakterstärke, welcherMut, welche Einsicht, welche Erfahrung, weiches Wissen und Können,welche Selbstlosigkeit dazu gehört, als Reichskanzler zu kämpfen fürdes Vaterlandes Macht, Ehre und Gedeihen und gleichzeitig zu dienen demMonarchen in Ergebenheit und Treue unter den allerschwersten Bedin-gungen, der wird heute offen eingestehen müssen, daß Euer Durchlauchtein Kämpfer, ein Reichskanzler gewesen sind, wie Seine Majestät ihnschwerlich wieder finden wird. Großartig, wie Eure Durchlaucht gekämpft,haben Eure Durchlaucht auch mit Stolz und Würde und voller Ehren dasKommando abgegeben und treten nun in den tausendfältig wohlverdientenRuhestand." Der alte Feldmarschall wußte besser als irgendein anderer,wie schwer es mir während zwölf Jahren geworden war, die dauerndenInteressen des Landes, der Dynastie und des Monarchen selbst gegenüberdiesem Monarchen zu wahren.

Der damalige General der Infanterie, spätere Generalfeldmarschall KarlGeneral von Bülow schrieb mir am 15. Juli 1909:Als Vetter und stellvertretenderi. Bülow Vorsitzender unseres Familienverbandes darf ich Ihnen warm die Handdrücken in den entscheidungsreichen Tagen, die Sie jetzt durchlebt haben.Für mich, und meiner Überzeugung nach auch für die ganze Bülowsche