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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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FRAUEN

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Sippe, gebe ich der Trauer Ausdruck, daß die Verhältnisse Eure Durch-laucht gezwungen haben, das höchste deutsche Staatsamt niederzulegen,Ihre erfolgreiche und dem Wohle unseres deutschen Vaterlandes dienlicheTätigkeit jetzt hoffentlich nicht zu beendigen, sondern nur zu unterbrechen.Ich weiß, daß Eure Durchlaucht, wenn Kaiser und Reich Ihrer bedürfenund sie werden Sie später nötig haben, mit Freuden bereit sein werden,die Bürde des höchsten Amtes erneut auf Ihre starken Schultern zu nehmen.Unvergessen muß es aber heut schon der Familie sein und bleiben, wie IhrWirken als Reichskanzler dem Bülowschen Ruhmeskranze ein neues Lor-beerblatt eingefügt hat. Die Bülows sind stolz auf diesen Sohn ihres Ge-schlechts." Der General der Kavallerie, Graf Hermann Wartensleben ,einst Oberquartiermeister der deutschen Südarmee, als sie unter dem Ober-befehl des Feldmarschalls von Manteuffel in ruhmvollen Kämpfen in Schneeund Eis das Bourbakische Korps zum Ubertritt in die Schweiz zwang,schrieb mir:In meiner ländlichen Abgeschiedenheit natürlich nur unvoll-kommen unterrichtet, vermag ich nicht alle bestimmenden Beweggründezu dem folgenschweren Schritt zu beurteilen und kann nur sagen: Eingroßer Verlust für das Vaterland, und wer soll Eure Durchlaucht einiger-maßen ersetzen?" Die Witwe meines unvergeßlichen Kriegsobersten, desFeldmarschalls von Loe, die Baronin Franziska Loe, geborene Gräfinvon Hatzfeldt-Trachenberg, telegraphierte mir:Ich gratuliere Ihnen undder Fürstin und beklage uns."

Aus einer Stätte, in der Idealen gehuldigt wurde, die andere waren alsdie militärischen, schrieb für sich selbst und ihre Mutter, die schon mehr als Cosimasiebzigjährige Cosima Wagner , deren älteste Tochter, Daniela Thode, Wagnermeiner Frau:Verehrte teuere Fürstin Marie, es weüten und weden unsereGedanken so viel bei Dir und dem Fürsten , Deinem Gemahl, daß es mir einwahres Bedürfnis ist, dem Ausdruck zu geben und Dir und ihm unsere ver-ehrungsvollsten Grüße zu senden. Mama, welche leider im Augenblickwieder angegriffener ist und größter Ruhe und Schonung bedarf, hat anallen so bedeutungsvollen und ach! so unerquicklichen Vorgängen imöffentlichen Leben den regsten Anteü nehmen können und bittet mich,Dir ihre zärtlichsten Grüße zu übermitteln. Ganz Wahnfried grüßt Dichund den Fürsten in treuster Verehrung."

Drei andere Kundgebungen von Frauenhand rührten mich. Die Witwedes zwei Jahre vorher verstorbenen Staatsministers von Bötticher Frauschrieb:Eure Durchlaucht gestatten wohl, daß ich Ihnen und der Frau v. BötticherFürstin, die Sie beide so unbeschreiblich gütig zu mir gewesen sind, beimScheiden aus Ihrem schweren, dornenvollen Amt Gottes Segen noch inganz besonderer Weise wünsche. Welch schwerer Schritt es für den Mannist, von seinem Lebenswerk zu scheiden, weiß ich wohl. Habe ich doch mit