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meinem geliebten Mann im Juli 1897 Ähnliches durchlebt. Wenn EurerDurchlaucht unendlich viel Liebe, Teilnahme und Freundschaft aus demganzen deutschen Volke folgt, so bitte ich, mich auch unter diejenigenrechnen zu wollen, die in Dankbarkeit Ihrer gedenken." Die Tante meinesFrau v. Beth- Nachfolgers, Frau Freda von Bethmann Hollweg, schrieb mir: „Siemann Hollweg haben, teurer Fürst, treu und mit Hingabe Ihrer selbst gekämpft. Das trägtseinen letzten Lohn in sich und wird Ihnen in der Geschichte unseres Vater-landes unvergessen bleiben! Es sind sicher die schwersten Kämpfe, in denenman die Wunden nicht zeigen kann. Daß der Eintritt meines Neffen in dieseschwere Stelle mein Herz sehr bewegt hat und noch beschäftigt, werden Siesich denken. Gott möge ihm beistehen!" Endlich schrieb mir die vierund-Frau achtzigjährige Mutter meines treuen Mitarbeiters Loebell: „Unvergeßlichv. Loebell i s t m i r di e Stunde, da vor neun Jahren mein heimgegangener Mann undich Eurer Durchlaucht Ernennung zum Kanzler des Deutschen Reichs,die wir erhofften, begrüßten mit den freudigsten Erwartungen für Kaiserund Reich. Mit dem Bewußtsein der vollen Erfüllung dieser Hoffhungenentschlief mein Mann. Ich aber erlebe nun noch mit tiefschmerzlichem Be-dauern den Rücktritt Eurer Durchlaucht, und mein altes patriotisches Herzist tief verletzt und beklagt bitter die Motive, welche denselben veranlaßten."
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Ich hatte, als mein Rücktritt feststand, unsere Vertreter auf unserenwichtigsten Auslandsposten gebeten, den Souveränen, bei denen sie akkredi-tiert waren, meinen Dank für das mir während meiner Leitung der aus-wärtigen Geschäfte erwiesene Vertrauen in angemessener Form zu über-mitteln. Der russische Minister des Äußern, Alexander Petrowitsch Istvolski Iswolski, erwiderte mir in einem längeren, eigenhändigen Brief: „Lecharge d'affaires d'Allemagne, le Comte de Mirbach, m'a fait part de Votredesir qu'au moment oü Vous quittez le poste eleve que Vous avez occupeavec tant d'eclat, je fasse parvenir ä mon Auguste Maitre les sentimentsd'attachement et de reconnaissance que Vous portez ä Sa Majeste. Je n'aipas manque de m'aequitter aupres de Sa Majeste de ce message, et je suisheureux de Vous transmettre les sinceres remereiments de l'Empereur quim'a ordonne en meme temps de Vous exprimer, combien II a toujoursapprecie Votre brillante et feconde activite et Vos efforts en faveur desbonnes relations entre la Russie et l'AUemagne. Le Comte de Mirbach m'aegalement transmis ce dont Vous avez bien voulu le charger personnellementä mon adresse. J'en ai ete extremement touche, et je tiens ä Vous dire, ämon tour, que je garderai toujours un Souvenir ineffacable de mes relationspersonnelles avec Vous, relations qui datent de si loin et qui j'espere vontse continuer pendant de longues annees encore. J'ai la certitude que cesrelations ont apporte leur part de grande utilite ä la bonne entente entre nos