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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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TITTONI

es mir versagen, in die Erwägung der Gründe einzugehen, die Ihren Schrittveranlaßten. Dieselben müssen zwingender Natur gewesen sein, wennKaiser Wilhelm einwilligte, sich von Ihnen nach einer so langen und aufallen Gebieten erfolgreichen Amtsführung zu trennen. Sie können, ver-ehrter Fürst, mit Stolz auf die Ihrem Kaiser und Deutschland gewidmetenJahre zurückblicken und mit dem Gefühl von dem hohen Posten scheiden,die Entwicklung Deutschlands nach allen Richtungen gefördert und seinenstaatlichen Bau gestärkt zu haben. Wir in Österreich-Ungarn sehen Siemit dem aufrichtigsten Bedauern zurücktreten, weil wir in Ihnen einenüberzeugten und bewährten Vertreter des Allianzgedankens zwischen denbeiden Kaiserreichen erblickten. In diesem Zusammenhang habe ich micheines Auftrages meines allergnädigsten Herrn zu entledigen. Seine MajestätKaiser Franz Josef hat von dem Inhalt des Schreibens Szögyenyis überseine letzte Unterredung mit Eurer Durchlaucht Kenntnis genommen undmir befohlen, Ihnen zu sagen, daß Seine Majestät Ihrer Person und Ihremtreuen Festhalten an dem Bündnis ein herzhches und dankbares Andenkenbewahren werde."

Der italienische Minister des Äußern, Herr Tommaso Tittoni , richteteTittoni ein längeres Schreiben an mich, das ich in deutscher Übersetzung folgenlasse:Teurer Fürst und Freund, ich habe den Brief, den E. D. mir sandten,erhalten. Ihnen für den außerordentlich liebenswürdigen Gedankendankend, erlaube ich mir in italienischer Sprache zu antworten, der Sprache,die E. D. verstehen und Heben. E. D. hatten die Güte, der wohlwollendenHerzlichkeit, die Sie unseren persönlichen Beziehungen aufgeprägt haben,und der Sympathie, die Sie immer für mein Land zeigten, seit Sie es kannten,noch einmal Ausdruck zu geben. Als Botschafter in Rom , als Minister desÄußern und als Reichskanzler haben Sie stets die Interessen Italiens imEinklang mit denen Deutschlands betrachtet. Deshalb konnte das Bündniszwischen den beiden Staaten während Ihrer ganzen Amtszeit fortdauernund die Schwierigkeiten mancher delikaten Situation überwinden, weilE. D. in der Festhaltung der Verträge den festen Willen und die Loyalitätgesetzt hatten, die Sie auch das Recht hatten von uns zu erwarten und dievon uns immer mit nicht weniger spontanem Gefühl und nicht wenigervertrauensvoll erwidert wurden. Nachdem Sie freiwillig Ihren verant-wortungsvollen Posten verlassen, begleitet von der Achtung Ihres Souve-räns und umgeben von dem Respekt und der allgemeinen Bewunderung,bleiben E. D. die stärkste Persönlichkeit der deutschen Politik, und meinpolitischer Egoismus bestimmt mich, Sie noch als wertvollen Mit-arbeiter zu betrachten, an den ich oder wer auch sonst meinen Postenin Zukunft bekleiden wird, sich vertrauensvoll wenden kann mit der Sicher-heit, volle Erwiderung unserer Gefühle zu finden. Der Brief E. D. läßt mich