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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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METTERNICH

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hoffen, daß Sie sich für die beabsichtigte Ruhe nicht nur zu kurzem Auf-enthalt in Rom niederlassen werden. Sie werden hier nicht nur Ihre Gewohn-heiten wiederaufnehmen und teuere Beziehungen mit Ihrer genialen Intelli-genz wieder anknüpfen können, sondern auch unsere Mentalität verstehenund deren Eindrücke zu schätzen wissen. E. D. haben sich nicht nur alsBewunderer unserer Vergangenheit gezeigt, sondern Sie sind auch von derBedeutung unserer Gegenwart und unserer Zukunft für Deutschland über-zeugt. Jetzt unter uns lebend, können Sie Zeuge unserer Bemühungen sein,mit Würde den Frieden zu sichern und die Mäßigung unserer internationalenTätigkeit wie die Gerechtigkeit unserer Bestrebungen feststellen, die sichnicht nur aus den Akten der Regierung ergibt, sondern auch aus der Hal-tung des gesamten Volkes. Ich bin sicher, daß die Zuneigung und Achtung,mit der E. D. uns immer beehrt haben, hierbei nur zunehmen können. Ichwerde mich beeilen, Ihren Majestäten dem König und der Königin undIhrer Majestät der Königin Mutter die Gefühle zur Kenntnis zu bringen,von denen Sie wünschen, daß ich sie übermittle. Dem On. Giolitti undunseren zahlreichen gemeinsamen Freunden werde ich Ihre liebenswürdigenWorte überbringen. Als Minister, als Italiener und als Freund sende ichIhnen einen Gruß dankbarer Erinnerung. Wollen E. D. den Ausdruckmeiner hohen Wertschätzung wie meiner unveränderlichen anhänglichenFreundschaft entgegennehmen." Zwei Tage später telegraphierte mir Tittoni :Leurs Majestes le Roi et la Reine me telegraphient: Nous sommes tressensibles aux expressions contenues dans la lettre du Prince de Bulow.Nous vous prions de lui exprimer nos vifs remerciments. Sa Majeste laReine mere me telegraphie: Je vous prie d'envoyer mes salutations desplus amicales et affecteuses au Prince de Bulow pour lequel j'ai toujours euune estime profonde."

Als sich die Parteiverhältnisse im Reichstage in einer Weise verschobenhatten, die meinen Rücktritt in den Bereich der Möglichkeit und selbst derWahrscheinlichkeit rückten, während ich mich gleichzeitig des Kaisersimmer weniger sicher fühlte, hatte ich ein längeres Schreiben an unserenBotschafter in London , den Grafen Metternich, gerichtet, um ihn über Metternichdie Lage der Dinge in Berlin zu orientieren. Am Schluß meines Briefessagte ich: ich bedauerte, daß ich zurücktreten müsse, bevor ich die Möglich-keit gehabt hätte, mit England eine Verständigung über die Flottenfrageherbeizuführen. Ich sei einer solchen Verständigung nicht nur nicht ab-geneigt, sondern ich hielte sie unter den Metternich bekannten Voraus-setzungen im Interesse beider Länder für nützlich und notwendig. Ichglaubte auch, daß ich bei längerem Bleiben eine solche Verständigung geradeso durchgesetzt hätte, wie ich nach manchenups and downs" zu einembefriedigenden Abkommen über Marokko gekommen wäre, das unsere