Druckschrift 
3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
Seite
362
Einzelbild herunterladen
 

362

HILL

Beziehungen zu Frankreich auf eine gute Basis stelle. Ich sei aber sicher, daßSchön, der von den besten Absichten beseelt sei, die auswärtige Politikin meinem Sinne fortführen werde, und ich übergebe sie ihm in guter Ver-fassung. Die Annahme, als ob außer den Parteiverhältnissen im Reichstagandere Motive oder Faktoren mich bei meinem Rücktritt beeinflußten,sei nicht zutreffend. Insbesondere hätte ich bis zuletzt das Vertrauen S. M.des Kaisers besessen, der sich ungern von mir trenne. Ich hätte S. M. undSchön in ernster Weise gesagt, daß ich im Interesse unserer Beziehungenzu England beiden nur dringend empfehlen könne, Graf Metternich aufseinem Posten zu belassen. Daß ich in diesem Brief meinen Rücktritt auf dieParteiverhältnisse im Reichstag und nicht auf die Haltung des Kaiserszurückführte, geschah, um gerade gegenüber dem deutschen Botschafteram englischen Hofe die Allerhöchste Person nicht bloßzustellen. Die guteZensur, die ich dem Staatssekretär von Schön ausstellte, hat dieser durchseine weitere politische Tätigkeit leider nicht gerechtfertigt. Nachdem meinRücktritt sich vollzogen hatte, bat ich Metternich, dem König und derKönigin von England meinen Dank für die freundliche Gesinnung auszu-sprechen, die mir beide im Laufe vieler Jahre bewiesen hätten. Für Metter-nich fügte ich hinzu, ich sei persönlich nicht unglücklich, nach zwölf-jähriger Amtszeit nur unser unvergeßlicher großer Bismarck habelänger amtiert, Hardenberg ebensolange, Manteuffel kürzer an derElbe und am historischen Tiber als freier Mann meine letzten Jahrezu verleben.

Metternich antwortete mir am 19. Juli 1909:In Ausführung IhresBriefes vom 9. ds. Mts. habe ich vor einigen Tagen Gelegenheit gehabt,dem englischen Königspaar Ihre dankbare Gesinnung für das Ihnen imLaufe der Jahre bewiesene Wohlwollen persönlich zu übermitteln. BeideMajestäten sprachen mit viel Wärme von den langjährigen persönlichenBeziehungen, die sie mit Ihnen gehabt hatten. Der König bemerkte,Ihre Majestät habe Sie ja schon als Kind gekannt. Beide erkundigten sichmit Interesse nach Ihren zukünftigen Plänen, und ich erklärte und be-schrieb ihnen, wo Sie und die Fürstin, voraussichtlich an der Elbe , inNorderney und in Rom in der von Ihnen vor einigen Jahren erworbenenVilla Malta , Ihren Wohnsitz nehmen würden. Bei Beendigung des Gesprächstrug der König mir auf, Ihnen seine besten Wünsche für Ihr ferneres Wohl-ergehen auszusprechen, und Sie möchten, so wünschte er Ihnen, nun IhreFreiheit nur recht genießen."

Der nach seiner Ernennung zum amerikanischen Botschafter in Berlin Hill von Kaiser Wilhelm II. aus futilen Gründen ungnädig aufgenommeneMr. Hill, den ich meinerseits im deutschen Interesse freundlich behandelthatte, schon weil er in seiner Heimat Freunde und eine starke Stellung hatte,