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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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LITERATUR

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leidenschaft und Parlamentstaktik unberührt sind, ins Privatleben mit-nehmen, das weiß ich aus ungezählten Äußerungen. Viele werden sich freuen,daß es Ihnen möglich ist, sich in voller Frische zurückzuziehen, weil sie darausdie Hoffnung schöpfen, daß es dem Vaterland in zukünftigen schwerenZeiten, deren banges Vorgefühl sehr viele im Innersten tragen und verbergen,an einem erfahrenen und weisen Berater und Helfer nicht fehlen wird."

Aus Blankenese schrieb mir mein Nachbar und engerer LandsmannGustav Frenssen , der Dichter und Verfasser vonJörn Uhl" und der Frenssen,Drei Getreuen":Euer Durchlaucht will auch ich, dessen Freude es ist, Wilbmndidas Leben tapferer, ernster Menschen zu bedenken und zu erzählen, Danksagen für das, was Sie für das Land getan haben. In langjähriger Anhäng-lichkeit und Verehrung bin ich Ihr ergebenster Gustav Frenssen ." Einanderer Dichter-Freund von mir, Adolf Wilbrandt , schrieb:Lieber,teuerer, verehrtester Freund, ich kämpfe schon so viele Tage mit dem Triebund Umtrieb, Ihnen zu schreiben. So schwer ward mir nicht oft etwas.Daß es Wahrheit werden sollte, daß wir Sie nicht mehr als Reichskanzlerhaben welches Schicksal für uns! Für mich! Denn keiner hat wohl tiefergefühlt, was Sie uns waren, was Sie uns bedeuten. Was für Konservativehaben wir! Oder vielmehr, wie werden sie geführt! Ich bin tief gebeugt. Imtiefsten Innern sagt mir etwas: Sie kommen wieder. Vielleicht in vier, fünfJahren sind Sie wieder in der Wilhelmstraße! Ich hoffe es!"

Auch Gerhart Hauptmann sprach mir in herzlichen Worten seinenSchmerz über meinen Rücktritt wie Sympathie und Freundschaft aus. Hauptmann,Der Bibliothekar der Wartburg, der Dichter Richard Voß , telegraphierte Vo ßmeiner Frau:Mit der Nation spreche ich Ihnen meine tiefbewegte Empfin-dung aus, daß Deutschland das Unglück hat, seinen Kanzler zu verHerenund Sie scheiden zu sehen."

Aus der Schweiz , wo er einen Erholungsurlaub zugebracht hatte,schrieb mir trotz seiner langjährigen nahen Beziehungen zu Wilhelm II. der Generalsuperintendent der Kurmark, der Oberhofprediger Ernst vonDryander :Euer Durchlaucht wollen es nicht für Unbescheidenheit Dryanderhalten, wenn ich mir gestatte, aus den Bergen, in die die Ereignisse der Zeiterst einige Tage später gelangen, meine wärmste und zugleich schmerz-lichste Anteilnahme an den politischen Ereignissen zum Ausdruck zubringen. Es drängt mich bei dem mir unverständlichen und meines Dafür-haltens nicht in der Sache selbst begründeten Verhalten der KonservativenPartei, deren Hospitant ich im Herrenhause bin, Euer Durchlaucht meinevolle Sympathie und den ehrerbietigsten Dank für die starke und glanzvolleLeitung der Geschäfte des Vaterlandes auszusprechen sowie mein innigesBedauern, daß die großzügige, von Euer Durchlaucht übernommeneFinanzreform mit dem Resultat endet, daß, abgesehen von allen andern,