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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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BISMARCK ÜBER SPRACHKENNTNISSE

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hildenstein, der steile Altkönig, dessen Spitze ein Steinwall umgibt, den diealten Germanen angelegt haben sollen. Wie frisch waren die Laubwälderdes Taunus , wie herrlich der Blick von oben auf die weite Fläche, die sicham Fuß des Taunus ausbreitet, auf die vielen blühenden Ortschaften, aufdie blauen Fernhöhen! Oft suchten wir das nahe der Stadt gelegene Frank-furter Wäldchen auf, in dem auch der preußische Gesandte von Bismarck-Schönhausen gern mit seiner Frau und seinen drei Kindern spazierenging.Wir gingen hinaus aufs Jägerhaus, wir wanderten nach der Mühle. An einemschönen Ostersonntag ging mein Vater mit uns Knaben hinauf zu jenemStein, wo Goethe denOsterspaziergang" gedichtet haben soll, wo Faustmit seinem Famulus Wagner von einer Wanderung rastet, wo er im ewigenAbendstrahl die stille Welt zu seinen Füßen sieht, wo das Gefühl hinauf-und vorwärts dringt

Wenn über uns, im blauen Raum verloren,

Ihr schmetternd Lied die Lerche singt,

Wenn über schroffen Fichtenhöhn

Der Adler ausgebreitet schwebt

Und über Flächen, über Seen

Der Kranich nach der Heimat strebt.

Mein Vater lebte und webte in Goethe . Das war damals nicht so all-gemein wie heute. Der Einfluß von Goethe auf die Nation war in jener Zeitweniger groß als der von Schiller . Der hundertjährige Geburtstag vonGoethe im August 1849 war kaum gefeiert worden. Die Liebe meines Vaterszu Goethe war so lebhaft, daß er mir gelegentlich sagte, er bedauere, michnach seinem Großvater Bernhard genannt zu haben, er hätte mich auf denNamen Wolfgang taufen lassen sollen.

Meine Ausbildung lag bis zu meinem zwölften Jahr in den Händenmeiner kurhessischen Hauslehrer. Vorher stand ich unter der Obhut eng- Gouvernantenlischer und französischer Gouvernanten, denen ich die Beherrschung desFranzösischen wie des Englischen verdanke, was mir meine spätere diplo-matische Tätigkeit nicht unerheblich erleichtert hat. Zu den vielen miß-verstandenen Äußerungen des Fürsten Bismarck gehört auch seine angeb-liche Bemerkung, Sprachkenntnisse wären nur für Kellner nützlich. Wenndieses Wort wirklich gefallen ist, so war es natürhch eine Boutade. Es wirdwohl so gewesen sein, daß Fürst Bismarck keine Lust hatte, diesen oderjenen jungen Anwärter für die Diplomatie zu nehmen. Als nun für den be-treffenden Jüngling seine Sprachkenntnisse geltend gemacht wurden, magBismarck geantwortet haben:Ein schönes Talent für einen Oberkellner!"Es war das nur eine Form der Ablehnung. In Wirklichkeit verlangte FürstBismarck von seinen Diplomaten mündliche und schriftliche Geläufigkeit