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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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ERINNERUNG AN RANTZAU

lebendigen deutschen Patriotismus bis zu seinem 1878 mit neunundachtzigJahren erfolgten Tode bewahrt. Er stand bis zuletzt in regem Verkehr mitGustav Freytag, Paul Heyse und Geibel. Er empfing nicht lange nach demDeutsch -Französischen Kriege auf Rantzau den Besuch des französischenDichters Francois Coppee , des Verfassers desPassant" und derGreve desForgerons", der ihm unter dem TitelSouvenir de Rantzau" die nach-stehenden schönen Verse widmete:

Les arbres de Rantzau sont tres-bons. Leur ramure

Dans mon äme a verse le repos et la paix,

Et bien souvent, assis dans leur feuillage epais

Ivre de leur odeur, j"ai trouve Theure breve,

Et rafraichi mon front fatigue par le reve.

Pour le parfum des bois, pour la chanson des nids,

Grands aieux des forets, arbres, soyez benis!

En vous remerciant de Taccueil favorable

Mon esprit vous unit ä l'hote venerable.

Pres de qui j'ai pass6 ces jours calmes et doux,

Au comtc hospitalier fort et bon comme vous

Qui temoin d'un autre äge, ami des grands ancetres,

Me parlait en marchant sous les branches des hetres.

Emu comme ä vingt ans de poesie et d'art.

Puisse Dieux conserver ä ce noble vieillard

L'eternelle vigueur accordee aux grands charmes,

Et de sa belle vie allonger tant les charmes,

Que bien longtemps encore il promene ä pas lents

Sous vos vieux rameaux verts ses jeunes cheveux blancs.

Die Nachricht vom Ableben meines guten Onkels Wolf, die mir nahe-ging, erreichte mich am Fuße des Parthenon während meiner Geschäfts-trägerzeit in Athen . Der zweite Bruder meiner Großmutter hatte langebei den dänischen Gardedukorps gestanden. Als 1848 in Kopenhagen diedemokratischen Eiderdänen ans Ruder kamen und drei Tage später in Kiel die Unabhängigkeit der Herzogtümer und eine provisorische Regierungproklamiert wurde, schloß sich Karl Baudissin der schleswig-holsteinischenBewegung an. AJs General focht er bei Düppel, Fredericia und Idstedt tapfer für das meerumschlungene Land. Der dritte Bruder meiner Groß-Graf mutter, der Hofjägermeister Graf Hermann Baudissin auf Sophienhof inHermann Holstein, erreichte von vier langlebigen Geschwistern das höchste Lebens-Baudissm a ] ter- E r starb 1891 mit dreiundneunzig Jahren. Er hat Jena und er hat dieEntlassung des Fürsten Bismarck durch Wilhelm II. erlebt. Sein einzigerSohn Wolf, der im gleichen Alter mit mir steht, studierte Theologie, hat