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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
Entstehung
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ETWAS YORCK SPIELEN

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deutschen Geschicke, spricht deutlich aus einem Brief, den er am 9. Juni Bismarck an den damaligen General, späteren Feldmarschall von Manteuffel an Edwinrichtete und den ich folgen lasse, weil er meines Wissens noch nicht ^ antc "ff c ^veröffentlicht worden ist:Verehrteste Exzellenz! Bekannt mit Ihrer, nochbei Gelegenheit der letzten vertraulichen Österreichisch-GahlenzischenFriedensunterhandlung ausgesprochenen Überzeugung, daß wir aus allenpolitischen, soldatischen, finanziellen Gründen den Krieg schnell aufnehmenmüssen, wo er sich bietet, war ich darauf gefaßt, daß schon mein die In-struktion ankündigendes Telegramm No. 51 Sie zum Handeln im obigenSinne veranlassen würde, und sah wichtigen Nachrichten im Laufe desgestrigen Tages entgegen. Die Meldung von dem freundschaftlichen Toneder beiden Musiker bei den miUtärischen Chasses-croises geben keineHarmonie mit der Stimmung, die hier die Nachricht vom ersten Kanonen-schuß erwartete. Sie sagen, die Besitznahme würde als Gewalttat dieGemüter verwirren, ich antworte Ihnen mit Deveroux: ,Freund, jetzt ist'sZeit, zu lärmen!' Und wenn wir es nicht tun, so verrücken Sie nicht nurmir, aus militärischer Courtoisie für Gablenz , das europäische Konzept,sondern Sie werden in der Armee außer dem Württemberger niemand mehrfinden, der Verständnis für Ihr Verfahren behält. Jede drei Tage kostenuns zwei Millionen, die wir auf lange nicht haben, denn wir leben nicht wieÖsterreich auf Kosten unserer Gläubiger; jede drei Tage bringen Österreich fünftausend Mann Bundestruppen mehr zugute, der Wind steht uns in alleneuropäischen Richtungen günstig, man erwartet, daß wir handeln, findetes heut natürlich, in acht Tagen vielleicht nicht mehr. Ich hatte gehofft.Sie würden in Betracht aller dieser Momente dort sogar etwas ,Yorck'spielen, aber Sie haben jetzt den präzisen königlichen Befehl, zu handeln,und wenn Sie ihn nicht ausführen so schleunig, wie unsere Gesamtpolitikes verlangt, so tun Sie Preußen meines Erachtens schweren Schaden.Fallen wir wieder auf den Sumpf der Halbhuberei und des Kondominatszurück, so wird es uns schwer werden, einen so günstigen Kriegsfall wieden jetzigen rechtzeitig wiederzufinden. Wäre damit die Möglichkeitehrlichen Friedens gegeben, so wollte ich mich herzlich freuen. Dazu aberist jede Hoffnung geschwunden; die Wiener ziehn uns an der Nase herum,bis sie und ihre Bundesgenossen fertig sind, um dann loszuschlagen oderum uns wieder als Händelsucher erscheinen zu lassen, wenn der jetzige inLondon, Paris und Petersburg vorhandene Eindruck ihres Vertragsbruchsgeschwunden sein wird. Einige Äußerungen von Gablenz' Bruder lassenmich fast besorgen, daß man die herausfordernde Ständeberufung vorMontag zurücknehmen werde, und dann fehlt uns ein ins Auge springenderBeweis unserer Berechtigung zur Aktion. Entweder der Gasteiner Vertragist gebrochen oder nicht; ist er es nicht, so dürften wir auch nicht einrücken,