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EIN WALLEN STEIN-ZITAT
ist er es, so dürfen wir auch weiter gehen. Letzteres glaubt jetzt jedermannim In- und Auslande, auch in Wien ; warten wir, so gewinnt die öster-reichische Lüge wieder Oberwasser. Ich erhalte eben glaubwürdige Nach-richt aus Süddeutschland, daß Österreich mit Rüsten im eigenen Landnicht fertig ist und deshalb der Befehl von Wien ergangen, daß Gablenzuns noch mit Freundlichkeiten hinhalten soll. Ich werde bei Seiner Majestätdarauf antragen, daß wir, unabhängig von der bei Ankunft dieser Instruktiongewiß schon von Ihnen vollzogenen Besitznahme Holsteins, von Gablenzdie Räumung fordern, sobald der Landtag am Montag zusammentritt; be-schließt der Landtag Proklamation Augustenburgs, so ist es Ihre Aufgabe,dieses zu hindern, auch mit Gewalt, sonst wahren Sie des Königs Rechtenicht; ich hoffe aber, Ihnen, wenn Sie es wünschen, bis Montag abend nochden positiven Befehl zu schaffen, für diesen Fall sofort die RäumungHolsteins von den Österreichern zu erzwingen. Ich muß schließen. VerzeihnSie den sonstigen Stil des Briefes, aber Ihr Telegramm hat mir heut früh dieNerven gelähmt, und jetzt reagieren sie. In großer Eile, aber in alterFreundschaft der Ihrige, gez. v. Bismarck."
Die Nachschrift des Briefes, von Bismarck selbst geschrieben, lautet:
„Ich that's mit Widerstrehen,
Da es in meine Wahl noch war gegeben;
Notwendigkeit ist da, der Zweifel flieht,
Jetzt focht ich für mein Haupt und für mein Leben.
(Er geht ab, die andern folgen.)"
Charakteristisch für Bismarck ist die psychologische Geschickbcbkeit,mit der er in diesem Moment größter Spannung und Erregung, in solcherSturmflut der Ereignisse den General Manteuffel zu nehmen weiß. DieLieblingslektüre des Generals Edwin von Manteuffel war Schillers „Wallen-stein ". Er glaubte, in sich eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Friedländer zufühlen. Darum wird ihm gegenüber zweimal Wallenstein zitiert. Der in demBrief genannte „Württemberger" ist der damalige Kommandierende Ge-neral des Gardekorps, Prinz August von Württemberg , der zwar ein durch-aus loyaler preußischer Offizier war, aber als süddeutscher Prinz den Kriegzwischen Preußen und seiner engeren Heimat nicht gerade mit Vergnügensah. Spricht aus diesem Schreiben die volle Entschlossenheit und die ganzeEnergie des leitenden Staatsmannes, so muß andererseits immer wiederbetont werden, mit welcher Umsicht, Vorsicht und Geschicklichkeit ergleichzeitig bemüht war, seinem Lande die günstigsten Chancen zu ver-schaffen, Rückschlägen vorzubeugen, die von ihm nie unterschätztenImponderabilien in sein Spiel zu bringen. Niemand wußte besser alsBismarck, daß mit Energie allein noch nicht alles gemacht ist. Er war