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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
Entstehung
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X. KAPITEL

Französische Kriegserklärung Entschluß, als Kriegsfreiwilliger in die Armee einzu-treten Meldung beim Königshusaren-Regiment in Bonn Lehmop!" Rheinfahrtnach Köln Der Eindruck der ersten siegreichen Schlachten in der Heimat

Sobald die Möglichkeit eines Krieges in greifbare Nähe trat, stand bei mirder Entschluß fest, nicht zurückzubleiben, wenn der Sturm losbrechen,Kriegs- wenn unser Volk aufstehen sollte. Ich schrieb in diesem Sinne aus Badfreiwilliger Oeynhausen an meinen Vater. Er antwortete mir in einem bewegten Brief,er verstünde mein jugendliches Empfinden. Ich möge aber meinerseitsmeine Pflichten gegen meine Eltern nicht vergessen. Ich litte an einerHalsaffektion, die ein großer Arzt, Professor Traube, für nicht unbedenklicherkläre und wegen deren er mich zu einer ernsten Kur, die ich soeben an-getreten hätte, nach Bad Oeynhausen geschickt habe. Meine Eltern stündennoch unter dem Eindruck des Todes ihrer einzigen Tochter, die an einemHalsleiden gestorben sei, sie schwebten in großer Sorge wegen desAugenleidens meines Bruders Christian und der Bückgratverletzung meinesjüngsten Bruders. Ich hätte nicht das Becht, die Sorgen meiner Elterndurch eine neue Sorge zu vermehren. Daß mein Bruder Adolf, der imHerbst bei den 2. Garde-Dragonern als Avantageur eingetreten und soebenOffizier geworden sei, ins Feld rücke, sei selbstverständliche Pflicht. Ichaber hätte die ebenso heilige Pflicht, meine persönlichen Wünsche derBücksicht auf meine schwer geprüften Eltern unterzuordnen. Ich wargerührt durch das Schreiben meines Vaters, aus dem seine ganze Liebe zuFrau und Kindern sprach; aber ich antwortete sogleich, daß ich an meinemEntschluß festhalten müsse. Ich würde für immer unglücklich werden,wenn ich in diesem Kriege zu Hause bleiben sollte. Ich schloß mit demKörnerschen Verse:Pfui über dich Buben hinter dem Ofen, unter denSchranzen und unter den Zofen!" Der Schluß meines Briefes mag zupathetisch gewesen sein, aber Begründung und Tendenz waren gut.

Nachdem ich gegenüber meinem Vater den Bubikon überschritten hatte,handelte es sich darum, wo ich mich als Kriegsfreiwilliger melden sollte.Ich schwankte zwischen Bonn und Münster. Zu Münster riet der langeBosenberg, dessen Begiment dort in Garnison stand, nach Bonn zog mich