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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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BISMARCK UND ANDRÄSSY

stammenden Darmstädter Biegeleben an antipreußischem Fanatismusnoch übertrafen.

Der von den Franzosen vorgeschlagene, von ihren Freunden in Wien Die angenommene Plan ging dahin, daß die Österreicher in Sachsen undHallung Schlesien einrücken sollten. In Sachsen hoffte Beust, auf Grund seinerSachsens dortigen alten Beziehungen, auf Entgegenkommen und Unterstützung,irrte sich aber darin vollständig. Sowohl der weise und loyale König Johannwie sein als Feldherr und als Staatsmann gleich hervorragender Sohn, derdamalige Kronprinz, spätere König Albert, wie der besonnene und loyaleMinister des Äußern, Freiherr von Friesen, standen in unerschütterlicherTreue zu den 1866 mit Preußen abgeschlossenen Verträgen und zumdeutschen Vaterlande. Als ein von den Franzosen bezahltes Leipziger Blatt,ich glaube, es hießSächsische Zeitung", auch nach der Drohrede desHerzogs von Gramont und dem Benedettischen Erpressungsversuch inEms in seiner Propaganda für Frankreich fortfuhr, zogen Studenten vor dieRedaktion, zerstörten die Druckerei und verprügelten die bezahltenSchufte, die das Blatt redigierten. Das wirkte in ganz Sachsen herz-erfrischend. Zu einem Abfall der Sachsen kam es ebensowenig wie zu einemösterreichischen Einfall in Schlesien .

Der zwischen Paris und Wien erörterte Plan, daß die Italiener durchTirol nach Bayern vorstoßen, die Süddeutschen am Zusammengehen mitden Norddeutschen verhindern und dann den vorrückenden Franzosen amOberrhein die Hand bieten sollten, scheiterte an der Strategie von Moltkeund an der Politik von Bismarck . Als General von Schweinitz die für unsrecht üble Situation in Wien pflichtgemäß und der Wahrheit entsprechendin seinen Berichten schilderte, erhielt er von Bismarck einen monumentalenBrief, in dem es etwa hieß, der preußische Vertreter in Wien möge aufhören,Seiner Majestät dem König das Herz schwerzumachen, wo auf Allerhöchst-demselben ohnehin viele andere und schwere Sorgen lasteten. Er mögelieber Beust und Konsorten mit der Drohung einschüchtern, daß, wenndie habsburgische Monarchie dem für sein Leben fechtenden deutschen Volkin den Rücken fallen sollte, er, Bismarck , zu seiner Verteidigung jedesMittel in Anwendung bringen würde. Flectere si nequeo superos Acherontamovebo. Schweinitz möge Verbindung mit der deutsch -österreichischenJugend suchen, damit sie ein militärisches Vorgehen Österreichs an derSeite des französischen Erbfeindes gegen die Deutschen im Notfall durchPutsche und Komplotte verhindere. Vor allem suchte und fand Bismarck Verbindung mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Andrässy, dem erdurch einen Vertrauensmann sagen ließ, wenn Deutschland mit Österreichs Hilfe durch die Franzosen besiegt werde, stehe Ungarn vor dem Dilemma,sich entweder wieder in den habsburgischen Gesamtstaat einzufügen, um,