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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
Entstehung
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HARRY ARNIMS PARFÜM

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schönen, eleganten, nur leider an dem Tage etwas zu stark mit White Roseparfümierten Freundin im Bismarckschen Salon erschien. Der Kanzler warnoch nicht gekommen. Mutter Johanna klimperte am Klavier. Ich setztemich zur Tochter. Nach einigen Minuten sagte sie zu mir:Sie sind japarfümiert! Um Gottes willen, drücken Sie sich so rasch wie möglich, sonsthahen Sie bei Vater verspielt. Harry Arnim wurde ihm unsympathisch,als er mehrfach zu stark parfümiert bei uns eintrat. Als Vater später hinterHarrys Umtriebe kam, sagte er: ,Das wundert mich gar nicht! Der Kerlstank ja immer nach Parfüm!'" Ich beherzigte den guten Wink und ver-schwand a la Francaise, d. h. ohne Abschied zu nehmen. Auch großeMänner haben ihre kleinen Marotten: Wallenstein konnte den Hahn nichtkrähen hören, Goethe vertrug den Tabak nicht, Schiller wollte faule Äpfelriechen, um sich anzuregen, Napoleon liebte es, sich mehrmals täglich mitEau de Cologne abzuwaschen, Bismarck konnte Parfüm nicht vertragen.Ich selbst habe mich übrigens nie parfümiert, ohne es aber bei Frauenunangenehm zu empfinden.

Als ich am 30. Oktober, nach Bonn zurückgekehrt, mich in der Sterntor-kaserne bei dem Wachtmeister Wunderlich zum Dienst zurückmeldete,sagte er mir:Gut, daß Sie da sind! Morgen abend gehen zwei Offiziere,zwei Unteroffiziere, dreißig Husaren, darunter sechzehn Freiwillige, nachMetz, wo das Regiment biwakiert. Sie müssen mit, Einjähriger von Bülow!Darüber sind wir alle einig." Meine Freude ob dieser guten Nachricht warunbeschreiblich. Ich hätte den guten alten Wachtmeister um die Taillefassen und mit ihm eine Polka-Mazurka oder einen Rheinländer tanzenmögen, so vergnügt war ich. In meinem ganzen langen Leben habe ich nurnoch einmal ein ähnliches Glücksgefühl empfunden: als ich fünfzehn Jahrespäter auf dem Eise der Newa die Nachricht erhielt, der Heilige Stuhl habedie Ehe der Gemahlin des preußischen Gesandten in Dresden , der GräfinMarie Dönhoff, annulliert und damit meine Heirat mit der Frau ermöglicht,die ich über alle und über alles geliebt habe und die das Glück meinesLebens geworden ist.