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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
Entstehung
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XIII. KAPITEL

Ins Feld Biwak bei Metz Erste Briefe nach Hause Melderitte und PatrouillenMajor Lentze Beförderung zum Gefreiten (15. XI. 1870) Vormarsch nach Compiegne

1870 und 1918

Es ging an das Einpacken der wenigen Gegenstände, die ich als Ge-meiner mit ins Feld nehmen konnte: zwei wollene Hemden, zwei Paarvon Bonn wollene Strümpfe, zwei wollene Unterhosen, ein Paar Hausschuhe, einekleine Feldflasche mit Kognak, etwas Tee und Liebig, einen Feldstecherund ein Schreibzeug. Auch ein neues Testament nahm ich mit, das mir meineliebe Mutter bei meinem letzten Besuch mit der Ermahnung geschenkthatte, recht fleißig in Gottes Wort zu lesen. Auf das erste weiße Blattschrieb ich das Wort des heiligen Augustinus :Incpiietum cor nostrumdonec requiescat in te."

Bevor ich von der Ersatz-Schwadron Abschied nehme, will ich derDankbarkeit Ausdruck geben, die ich ihr schulde, dem Stalldienst in derSterntorkaserne wie dem Exerzieren auf demSand". Wenn ich im Feldemeinen Mann gestanden habe und nach der Bückkehr in die Garnison einbrauchbarer Husaren-Offizier wurde, so verdanke ich das in erster Liniemeiner Ausbildung bei der Ersatz-Schwadron. Major von Schreckensteinhat sich von seinem schweren Beinbruch erst nach Jahr und Tag erholt.Er hat die Ersatz-Schwadron nicht mehr geführt. Wieder dienstfähig,wurde er zum Kommandeur der 7. Ulanen ernannt und ist 1875 als solcherin Saarbrücken plötzlich gestorben. Ein früher Abschluß nach einemLeben, dessen verpfuschtes Ende in seltsamem Gegensatz zu seinembrillanten Anfang stand. Der rote Schreckenstein gehört zu den vielen, die,um schöne Stunden vom Glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden.Als er in seiner eleganten Bonner Junggesellenwohnung, auf einer Chaise-longue unter der ,,Danae" des Correggio ruhend, mich wenig freundlichempfing, dürfte er kaum gedacht haben, daß der junge Student, der,angegriffen durch die Oeynhauser Badekur, blaß und bescheiden vor ihmstand, es im Laufe der Jahre nicht nur zum preußischen Ministerpräsidentenund deutschen Beichskanzler, sondern sogar zum General bringen würde.Ich erwähne das nur, damit dieser oder jener Jüngling, der mich einmal