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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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DIE KÖNIGSHUSAREN

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Soldaten." Am 29. Oktober wehte auf allen Forts von Metz der preußischeKönigsaar, den der Kommandeur der 30. Infanterie-Brigade, der General-major von Strubberg , auf dem Hauptwall mit den Worten aufgepflanzthatte:Im Namen Seiner Majestät des Königs Wilhelm nehme ich diesesFort, Queleu genannt, hiermit in Besitz. Gott erhalte noch lange JahreSeine Majestät! Gott segne ihn, Gott schütze ihn! Amen!" Am 4. Novemberzog die 15. Division durch Metz . An der Tete der Division ritt unserRegiment. Die Trompeter bliesen die Fanfare, die Standarte war entfaltet.Stolz und leuchtenden Auges defilierte das Königshusaren-Regiment vordem Kommandierenden General des VIII. Armeekorps, dem General August von Goeben , der auf der Place d'Armes hielt. 0 schöne Tage! 0herrliche Tage! Tage des Ruhms, der Ehre, des Glücks! Wenn ich aus demElend und der Schmach der Gegenwart an sie zurückdenke, blutet mirdas Herz.

Das Königshusaren-Regiment bezog nach dem Durchmarsch durchMetz Kantonnements am Mont Saint-Quentin, dessen Silhouette so In Plappeville charakteristisch ist für das Landschaftsbild der Moselfeste und den ichzwei Jahre später während meiner Dienstzeit in Metz manches Mal zuFuß und zu Pferde aufgesucht habe. Unsere Schwadron, die 1. Schwadron,mußte während der recht kalten Nacht biwakieren. Ich fror wie einSchneider, war aber quietschvergnügt. Aus Plappeville schrieb ich am6. November an meine Ellern :Liebe Eltern, verzeiht, bitte, wenn ichEuch jetzt erst schreibe. Ich hatte wirklich keinen Augenblick Zeit.Donnerstag trafen wir das Regiment. Ich kam zur 1. Eskadron (15. Division,Königshusaren-Regiment, Rheinisches Nr. 7!!). Freitag marschierten wo-durch Metz , wo wir mit Säbelauf und entfalteter Standarte einmarschierten,nach Chazelles, von da nach Plappeville. Es geht mir sehr gut. Die Quartieresind leidlich Essen habe ich mir bisher verschafft. Guten Mut habe ichsehr. Viktualiensendungen wären mir sehr lieb, sonst schickt mir garnichts. Ich müßte es wegwerfen, da ich nicht, wie mein Bruder Adolf, dreiPferde, sondern nur zwei Packtaschen habe, in die kaum Hemden undStrümpfe gehen."

Am 7. November schrieb ich weiter:Rittmeister meiner, der 1. Eska-dron ist Herr von Niesewand, der viel zu schimpfen scheint. Metz hegt Der Einrittwunderhübsch, rings von starken Forts umgeben. An allen Chausseen um m ^ etxMetz haben die Franzosen Schießgräben gegraben, hier und da auchSchanzen aufgeworfen. Die Dörfer waren z. T. stark beschossen. Manchesahen aber recht gut aus. Das ganze Land muß sehr reich sein, jeder Fleckist bebaut. Wir rückten in Metz durch die Porte Serpentinoise ein, dasschöne Tor mit verschiedenen Inschriften zu Ehren des Duc de Guise. DieStadt durchschritten wir fast ganz. Die Straßen sind sehr eng, mit hohen