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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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DER FEIND NAHT

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der Feind wolle uns umgehen, und ich wurde mit einer Patrouille vorge-schickt. Es war aber nichts vom Feinde zu sehen.

Gegen neun Uhr kamen wir in Bapaume in leidliche Quartiere und trafendort die Schwadron. Am Dritten rückten wir um sechs Uhr früh aus, es warnoch ganz dunkel, und machten Rendezvous. Es wurden zwei Züge zumRekognoszieren vorgeschickt, und nach einer Viertelstunde kamen die be-treffenden Offiziere mit der Meldung zurück, daß der Feind in zwei sehrstarken Kolonnen nahe. Darauf gingen wir links von der Chaussee mit einerBatterie und zwei Bataillonen Dreiunddreißigern ihm entgegen, kamen baldin sehr scharfes Granatenfeuer und zogen uns in eine Mulde parallel derChaussee. Wir konnten von da aus das Gefecht so genau beobachten wieweder am 27. November noch am 23. Dezember.

Das Dorf links der Chaussee nach Arras war in der Nacht von denFranzosen besetzt worden. Sie hatten dort eine Batterie gerichtet, die aus-gezeichnet bedient wurde. Und bald gingen uns die Granaten über dieKöpfe weg, aber so hoch, daß sie nicht den geringsten Schaden taten.Unterdes ging das links von Bapaume postierte Bataillon Dreiunddreißigerunter lautem Hurra gegen Sapignies vor, und das Gefecht ging los. Ihren SapigniesLeuten weit voraus liefen der lange Leutnant und der kleine Fähnrich, mitdenen ich in Beugny im Quartier gelegen hatte. Fast in derselben Minutefielen sie beide, wie Ähren unter der Sense des Schnitters. Alle beide gleichtot. Auch wir gerieten ziemlich stark in Feuer, da die französischen Kugelnmerkwürdig weit tragen, doch wurden nur einige Pferde angeschossen. Ichritt als Flügel-Unteroffizier des 1. Zuges. Dem Quartiermeister, der hintermir hielt, ging eine Kugel durchs Kochgeschirr. Unterdessen hatten dieDreiunddreißiger das Dorf zwar erobert, mußten aber nach einer Viertel-stunde der vier- bis fünffachen Übermacht weichen. Das Gewehrfeuerwurde immer stärker.

Wir ritten auf die Höhe, um zu sehen, was los wäre. Wir sahen leider,wie die Dreiunddreißiger erst einzeln, dann immer mehr und mehr zurück-gehen mußten. Voran kamen die Gesunden, die sich noch oft umdrehten,um zu schießen, dann die leicht und einige schwer Verwundeten, die müh-sam hinterherkrochen. Die Offiziere versuchten, die Leute zum Stehen zubringen, aber umsonst, die feindliche Übermacht war gar zu groß, nament-lich seitdem die Franzosen ihre Batterie gerückt und ein sehr heftigesGranatfeuer begonnen hatten. Auch die zwei links von der Mulde postiertenBatterien mußten zurückgehen. Wir waren dann kaum auf der Höhe, alswir in ein sehr heftiges Gewehrfeuer kamen, auch die Batterien es ganz be-sonders auf uns Husaren absahen. Es war keine Möglichkeit, gegen dieBatterien und die vier Bataillone Infanterie zu attackieren. Unsere Eska-dron war allein. So ließ denn der Rittmeister in Zügen rechts schwenken,

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