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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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DESTO BESSER FÜR UNS

das Gefecht von Bapaume und die Schlacht von Saint-Quentin vor. Wennich sie wiedergebe, so brauche ich dabei kaum hervorzuheben, daß es sichnicht um Berichte eines Generalstäblers handelt, sondern um rasch hin-geworfene Briefe eines jungen Husaren. Aus dem Marschquartier Cappybei Peronne schrieb ich am 4. Januar 1871:

Liebste Eltern, bitte, verzeiht mir, wenn ich Euch seit dem Weih-Bapaume und nachtsfeiertage nur zweimal flüchtig geschrieben. Gestern und vorgesternSaint-Quentin hatte ich gar keine Gelegenheit, Briefe an Euch abzugeben. Hoffentlich gehtes Euch so gut, wie ich von ganzem Herzen wünsche. Ich befinde mich sehrwohl und bin durch Gottes Gnade unversehrt aus dem gestrigen ziemlichheftigen Gefecht hervorgegangen. Am 25. früh rückten wir bei niederträch-tiger Kälte aus und gingen ans jenseitige Ufer der Somme. Gegen Mittagwurde durch Patrouille in Erfahrung gebracht, daß die Franzosen ihreStellung bei Pont-Noyelles verlassen hätten und sich zurückzögen. Warum ?Das scheint einigermaßen unklar, aber desto besser für uns. Wir wurdengegen Mittag alarmiert und rückten über das Gefechtsfeld nach Pont-Noyelles. Da lagen wieder die Höhen vor uns, die am 23. das 33. Ostpreußi-sche Regiment mit aufgepflanztem Bajonett und fabelhafter Bravour er-stürmt hatte, aber gegen Abend wieder hatte aufgeben müssen. Es lagennoch viele Leichen auf dem Abhang und in einem Hohlweg, der hinauf-führte, z. T. schon ganz erfroren, meist ganz friedlich. Etwa eine Stundehinter Pont-Noyelles kamen wir in leidliche Quartiere.

Den nächsten Tag rückten wir über Albert und Bapaume, zwei kleineStädte, bis Fremicourt. Hier hatten wir drei Ruhetage, die den Pferden sehrnottaten. Am dritten ritt ich eine Requisitions-Patrouille bei sehr scharferKälte. Ich kam bis Montagne-Notre-Dame, nur drei Kilometer von Cam-brai, wo ich feststellte, daß diese Stadt noch stark von Franzosen besetztwar. Am Silvestertag rückte ich mit Herrn von Steinbergs Zug nachBeugny, eine halbe Stunde von Fremicourt, wo wir in ganz famose Quar-tiere kamen. Es lagen da noch zwei sehr nette Infanteristen vom 33. Regi-ment, ein Leutnant und ein Fähnrich. Der Leutnant, ein baumlangerMensch, hieß Freudenfeld oder ähnlich, den Namen des Fähnrichs habe ichvergessen. Der Leutnant sorgte in rührender Weise für seinen kleinen Kame-raden. Wir aßen Ente, Dindons und andere schöne Sachen, wozu wirrequirierten Champagner tranken. Am Zweiten mittags wurden wir plötz-lich alarmiert, rückten über Fremicourt, das schon von der Schwadron ver-lassen war, nach Bapaume und von da weiter auf der Chaussee nach Arras .Etwa eine Stunde hinter der Stadt standen unsere Batterien, die sich mitden feindlichen beschossen. Nach einigem Hinundherrücken in übrigensziemlich unbedeutendem Infanteriefeuer traf unser Zug die 3. Schwadron,die in der Nähe hielt und der wir uns anschlössen. Man glaubte gegen Abend,