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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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NIESEWAND LOBT

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zu ihm in sein Zimmer. Er lag im Bett. Er hatte einen heftigen Dysenterie-anfall gehabt und sah noch blaß aus. Als Knesebeck mich ihm vorstellte,reichte er mir die Hand und sagte mir, daß er in Hannover er ist vonGeburt Hannoveraner verschiedene Namensvettern von mir gekannthätte. Er fügte hinzu: ,Es waren tüchtige Leute.' Er war ganz ruhig, schiendie Sache aber ernst anzusehen. In seinem Vorzimmer, wo Ordonnanzenwarteten, hieß es, daß uns die Franzosen den Rückzug auf Amiens ab-geschnitten hätten. Einige hielten die Schlacht für verloren, falls uns die16. Division nicht zu Hilfe käme.

Als wir zur Schwadron zurückkamen, die inzwischen rechts der Chausseenach Peronne zu, vor der Stadt neben unserer Batterie postiert worden war,stand das Gefecht schon günstiger. Auf dem rechten Flügel hatten AchteJäger und ein Bataillon Dreiunddreißiger die Franzosen zurückgedrängtund zwei Dörfer genommen. Bapaume wurde noch immer gehalten, vonzwei Batterien und dem zurückgeschlagenen Bataillon Dreiunddreißiger,das übrigens das Dorf nur hatte aufgeben müssen, weil es alle Patronenverschossen hatte.

Um zwei Uhr erschien, von den kämpfenden Truppen mit lautem Hurrabegrüßt, General von Goeben auf dem Schlachtfeld. Alle dachten, nun Generalkann es nicht mehr schiefgehen. Er setzte sogleich die Achten Jäger und v - Goebendie famosen Dreiunddreißiger zum Sturm auf Tilloy an. Um der Infanteriezu helfen, feuerte unsere Artillerie, bei der wir als Bedeckung standen, wieverrückt. Um fünf Uhr wurde Tilloy genommen. ,Hurra! Hurra!' scholl esüber das Schlachtfeld. Etwas Schöneres als das preußische Hurra auf demSchlachtfeld gibt es auf der ganzen Welt nicht. Unterdessen war es Nachtgeworden, unsere Batterien schössen noch in ein paar vom Feind besetzteDörfer, die bald zu brennen anfingen, was sich sehr malerisch ausnahm.Das Resultat der Schlacht war schließlich ein ziemlich günstiges: Das Feldwar gegen vierfache Übermacht behauptet und vor allem Bapaume nichtaufgegeben.

Wir kamen nicht ins Biwak, sondern in ein kleines, ganz verlassenes Dorf.Zu essen hatten wir alle nichts als das bißchen Schokolade, das der eine oderder andere bei sich führte. Am Vierten früh rückten wir aus und gingen ansandere Ufer der Somme, nach Cappy, einem großen und reichen Dorf.Unterdessen waren Bapaume und Albert von der 3. Kavallerie-Divisionbesetzt worden, während auch die 16. Division herangekommen war, bisauf den Teil, der Peronne weiterbelagerte. Als wir abends absattelten, kamder Herr Rittmeister, der oft schimpft und selten zufrieden ist, auf michzu und sagte mir: ,Sie haben sich gut gehalten. Ihre unerschrockeneHaltung als Flügelunteroffizier war vorbildlich für den ganzen Zug.' Dabeigab er mir die Hand.