MARSCH GEGEN OSTEN
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wir bis Daours. Le Sars und Combles fanden wir unbesetzt, den Feind inseiner alten Vorpostenstellung, Bapaume stark besetzt. Wir ermittelten,daß General Faidherbe, der Oberkommandierende der französischen Nord-armee, dort sein Hauptquartier hätte. Am 16. Januar wurde Albert besetztgefunden und bald nachher festgestellt, daß starke französische Kolonnenvon Bray auf Albert marschierten. Es war von großer Wichtigkeit, die Ab-sichten des Feindes so früh wie möglich zu kennen und ihm so lange aufden Fersen zu bleiben, bis der Augenblick für die Schlacht gekommen war.General von Goeben konnte seine Operationen mit Sicherheit auf dieMeldungen seiner Kavallerie basieren. Einen Teil dieses Ruhmes durfte dasKönigshusaren-Regiment für sich in Anspruch nehmen. Am 17. Januar er-hielt mein Rittmeister von Niesewand den Befehl, zur nochmaligen Reko-gnoszierung mit unserer Schwadron gegen Albert vorzugehen. Nach einemMarsch von über sechs Meilen konnte der Rittmeister in voller Bestätigungder am Tage vorher eingegangenen Nachrichten melden, Albert sei geräumtund der Feind auf Bapaume abgezogen.
Als General von Goeben übereinstimmende Meldungen seiner Kavallerieüber die Räumung Alberts erhielt, befahl er sofort den Rechtsmarsch Rechtsmarschder Ersten Armee. Der Marsch gegen Osten war überaus beschwerlich, der ErstenNachdem wir vier Wochen lang ununterbrochene strenge Kälte bis zu ^ rmee11 Grad unter Null gehabt hatten, war Tauwetter eingetreten, und seit demAbend des 16. Januar fiel warmer Regen auf die mit Schnee überdeckteLandschaft. Die Straßen überzogen sich am Morgen des 17. anfangs mitGlatteis, im Laufe des Tages weichten sie tief auf. Die Felder wurden völligunpassierbar. Aber trotz aller Mühsal und trotz der gerade in dieser Zeitengen und schlechten Quartiere und sehr knapper Verpflegung war dieTruppe in gehobener Stimmung. Jeder fühlte, daß die Absicht der Fran-zosen , den General von Goeben zu täuschen und zu überraschen, völlig miß-glückt war. Bei der ganzen Armee stand es felsenfest, daß Goeben denFeind schlagen würde.
Ich gebe den Brief wieder, den ich am 21. Januar über die Vorgänge derletzten zehn Tage an meine Eltern richtete:
„Liebste Eltern, wir sind seit einer Reihe von Tagen fortwährend imGange, so daß es mir unmöglich war, einen Brief zu befördern. Ich habeseitdem auch keinen von Euch erhalten. Bitte, ängstigt Euch aber nicht,falls Ihr keine Nachricht von mir habt. Führe auch fast immer einen ge-schriebenen Brief bei mir, den ich abgebe, wenn ich Gelegenheit dazu finde.Sollte mir etwas passieren, so würdet Ihr es durch den Obersten umgehenderfahren.
Wir waren am 18. und 19. im Gefecht. Seit der Schlacht bei Bapaume treiben wir uns zwischen Bray und Cappy herum. Am 12. wurde mittags in
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