„MALHEUR1"
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Bataillon Dreiunddreißiger Befehl erhielt, einen kleinen Wald zu nehmen,in dem sich die Franzosen festgesetzt hatten, pflanzten sie mit lautemHurra das Bajonett auf, während die Fahne entrollt wurde, von der nurnoch ein paar Fetzen herunterhingen. Der Major hob den Degen mit denWorten: ,Jedermann gedenke, daß er Preuße und Dreiunddreißiger ist!'Worauf sie unter dem Ruf,Malheur! Malheur!' vorgingen und die Franzosenbald herausgeworfen hatten. Auch unsere Artillerie schoß famos. Merk-würdig ist, wie weit die französischen Kugeln tragen, zumal die Leute beimZielen das Chassepot auf die Lende setzen, dieses auch eine sehr rasanteFlugbahn hat. Obwohl wir ziemlich gedeckt aufgestellt worden waren,schlugen eine Menge Kugeln bei uns ein, doch wurden nur zwei Husarenmeiner Schwadron verwundet. Gegen Abend erhielten wir Befehl, in Saint-Quentin einzurücken.
Als wir dort einzogen, zogen die letzten Franzosen am anderen Ende aus.Nachdem wir einquartiert worden waren, fanden wir in einem Cafe noch Einzug indreißig Mobilgardisten mit Gewehr und allem, die sich uns ergaben. Die Saint-Quentin französischen Marinetruppen schlugen sich aber sehr gut. Am 20. machtenwir einen Marsch von fünf Meilen nach Empire (Departement de l'Aisne ).Heute ist ein Zug zur Bedeckung des Brigadegenerals kommandiert, beidem ich bin. Ich habe auf diese Weise Aussicht auf gute Quartiere, da dieBrigade sich möglichst gute Dörfer auszusuchen pflegt. Die Chaussee hinterSaint-Quentin lag voller Toter, fast alle in den Kopf geschossen. Aucheinige Schwerverwundete sah ich, die da die ganze Nacht gelegen hatten.Die toten Franzosen waren fast alles blutjunge Burschen, sehr gut equi-piert, aber meist klein und schwächlich. Zum Teil sahen sie ganz friedlichaus, zum Teil sehr verzerrt. Einer saß gegen den Chausseedamm gelehnt,in der Stellung eines Mannes, der das Gewehr abdrücken will, beide Armeerhoben. Der Tod muß doch sehr schnell eintreten. Viele Munitionswagenstanden herum, denen die Pferde von Granaten getötet waren, auch einearme Kuh, von einer Granate ganz in Fetzen zerrissen. Ein paar andereweideten ganz friedlich daneben. In der letzten Zeit haben wir recht starkeMärsche gemacht. Am 17. zehn Stunden, am 18. fünfzehn Stunden, vor-gestern dreizehn Stunden und gestern zwölf Stunden. Daß die Infanteriedas bei den grundlosen Wegen aushält, bewundere ich. Zu essen haben wirnichts als Erbswurstsuppe, wenn wir ins Quartier kommen, die schmecktaber sehr gut. Schickt mir bei Gelegenheit, bitte, zwei Taschentücher,Independances und eine solide Zigarrentasche, vielleicht auch ein kleinesFernrohr, möglichst bequem und leicht zu tragen. Die meisten haben es inOpernguckerform. Schickt mir auch, bitte, die Büchseische Sammlung vonGesängen für den Krieg. Neues Testament habe ich. Tausend Grüße undbeste Wünsche von Eurem treuen Sohn Bernhard von Bülow ."
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