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EIN TRAUERTAG JÄHRT SICH
Das Ostpreußische Füsilier-Regiment Nr. 33, neben dem wir Königs-Die Drei- husaren am häufigsten gefochten haben, war ein glänzendes Regiment. Dieunddreißiger Dreiunddreißiger verdienten, daß ihr Chef der damalige Kriegsminister vonRoon war, einer der größten Männer der preußischen und der deutschenGeschichte. Wie schon bei Gravelotte, so haben auch bei Bapaume undSaint-Quentin eine große Anzahl Offiziere und brave Füsiliere diesesRegiments ihre Treue für König und Vaterland mit ihrem Blute besiegelt.Bei Gravelotte hatten die Dreiunddreißiger neun Offiziere verloren, beiBapaume gingen weitere fünf in den Tod. Der Oberstleutnant von Henningkommandierte die Dreiunddreißiger. Als ich ihn bei Bapaume und Saint-Quentin durch die Schützenlinie reiten sah, gingen mir die SchillerschenVerse über den Friedländer durch den Sinn: „. . . Ritt er Euch unter desFeuers Blitzen, auf und nieder mit kühlem Blut, durchlöchert von Kugelnwar sein Hut."
Am 24. Januar schrieb ich aus Sapignies bei Bapaume :
„Liebste Eltern, tausend Dank für Eure freundlichen Briefe, die ichgestern erhielt und die mich durch ihre guten Nachrichten sehr erfreuthaben. Besten Dank auch für die mir übersandten Zeitungen, Zigarren(drei Briefe und ein Paket), Schokolade, Handschuhe. Ich bitte Gott umKraft für Euch in diesen jammervollen Tagen, wo unsere liebste Berthaerkrankte und starb. Morgen ist ja nun der Tag, der für uns alle immer derschrecklichste des Jahres sein wird. Wenn man sich in die Zeit vom 23. zum28. zurückversetzt, so begreift man nicht, wie man den Jammer überstehenkonnte. ,Ich leb' mit tausend Freuden in meines Heilands Hand, michrührt und trifft kein Leiden, so dieser Welt bekannt.' Das ist der einzigeTrost. Was kann es Reineres und Engelhafteres geben als die Seele eineszwölfjährigen Mädchens, zumal eines so reich begabten, lieben, schönenund guten Kindes. Wenn ich sonst nicht an das ewige Leben glaubte, sowürde ich um ihretwillen daran glauben. Je öfter und näher man den Todsieht, um so größer wird die Uberzeugung, daß er nur der Übergang zueinem anderen Leben sein kann, das besser ist als dies.
Mir geht es gut. Wir sind von Gonnelieu vorgestern hierher marschiert.Aus Gonnelieu schrieb ich auch, wenn auch sehr eilig und darum sehrflüchtig, über den 18. und 19. Sapignies ist ein jämmerUches Dorf, gänzlichausgefressen. Wir stellen jetzt Feldwache gegen Arras auf, vier Kilometervon hier. Ich werde sie wohl morgen haben. Reiten auch täglich Patrouillenach Arras , dieses soll von dreißigtausend Mann besetzt sein. Die Faid-herbesche Armee ist ja bei Saint-Quentin gänzlich geschlagen, entschiedenauch in völliger Flucht auf Cambrai zurückgegangen. Doch hat man schongesehen, daß die Franzosen sich schnell reorganisieren und neben demGesindel von Mobilgarden usw. einen Kern von guten Truppen haben,