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TOTAL ERSCHÖPFT
So hatten die Königshusaren den Tag von Saint-Quentin würdigeröffnet. Die 4. Eskadron war noch südlich Savy mit Rangieren beschäftigt,als Oberst von Loe mit unserer 1. Eskadron, die aus dem Gros der Divisionenvorgetrabt war, dort eintraf. Die weitere Aufklärung über Savy hinausübernahm nun der Rittmeister Niesewand. Schon aus dem kleinen Gehölzöstlich des Dorfes erhielten wir Feuer und meldeten die starke Besetzungdieses Abschnittes durch Infanterie. Der Brigade -Kommandeur, Oberstvon Bock, zog die Artillerie vor und ließ die Avantgarde sich entwickeln.Unsere 1. Eskadron folgte unter dem Befehl des Oberst von Loe der Angriffs-bewegung auf dem rechten Flügel. Da der 29. Brigade sehr starke feindlicheMassen gegenüberstanden, kam das Gefecht hier zum Stehen. In einemGeschützkampf überwand unsere Artillerie allmählich die gleichfalls wackerschießenden französischen Batterien. Meine 1. Eskadron mußte stundenlangin einer Mulde halten, bis der General von Goeben, der bis dahin auf derStraße nach Saint-Quentin gehalten und von dort aus die Schlacht gelenkthatte, unsere „Couleur", die Achten Jäger, nebst zwei Bataillonen Acht-undzwanziger unter dem Kommandeur der Jäger, Major von Bronikowski,das Dorf Epine de Dallon stürmen ließ. Gleichzeitig gingen die 29. Brigadeund die 1. Division vor. Der Feind wurde vor unseren Augen auf der ganzenLinie geworfen.
Als die Dunkelheit hereinbrach, waren die Franzosen überall in vollemDiefranzö- Rückzug, unsere 15. Division stand unmittelbar vor der Stadt, deren ver-sische Nord- barrikadierte Eingänge die Franzosen noch hartnäckig verteidigten. Kurznrmee besiegt nacn fü n f Uhr drangen die Schützen der Achtundzwanziger in die erstenHäuser der Vorstadt ein. Das Bataillon und unsere Schwadron folgten. Wirgelangten bis auf den Marktplatz von Saint-Quentin. In kurzer Zeit griffenwir in den Straßen und Häusern Hunderte von Gefangenen auf. UnsereSchwadron kantonierte die Nacht in der Vorstadt Saint-Quentin. Es warmir ein pikantes Gefühl, in einer französischen Stadt von fast fünfzig-tausend Einwohnern, in der es noch von französischen Soldaten wimmelte,zu übernachten. Wir waren alle von dem frohen Gefühl erfüllt, daß wir diefranzösische Nordarmee völlig geschlagen hatten. Und sie befand sich in derTat in eiligem Rückzug nach Norden. Sie noch am Abend zu verfolgen,verbot die totale Erschöpfung der deutschen Truppen. Sie waren seit sechsUhr früh in der Bewegung, meist querfeldein, vielfach in knietiefem Acker-boden, immer im Gefecht, fast gänzlich ohne Verpflegung. So mußte derGeneral von Goeben die direkte Verfolgung auf den nächsten Tag ver-schieben.
Wenn der Tag von Saint-Quentin mir wieder vor Augen steht, so denkeich gern daran, daß ich als Reichskanzler Gelegenheit hatte, dem Ritt-meister Rudolphi einen Dienst zu leisten. Bald nach meiner Ernennung