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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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DER LETZTE SCHWARZE ADLER

einen tüchtigen Schwadronshieb über den Kopf gab. Dieser Fähnrich warder Fürst Karl Carolath, der nachmalige Gatte der schönen Gräfin ElisabethHatzfeldt. Im Februar 1866 zum Leutnant ernannt, verdiente sich Moßnerin der Schlacht von Königgrätz den Roten Adlerorden mit Schwertern.Von 1867 bis 1872 Regimentsadjutant, gewann er als solcher das volle Ver-trauen, die volle Zufriedenheit, die Freundschaft und Liebe des Oberstvon Loe. 1872 wurde er zum Großen Generalstab kommandiert, 1887 etats-mäßiger Stabsoffizier bei den Leib-Garde-Husaren, von 1891 bis 1895 derenKommandeur, 1895 erhielt er die 3. Garde-Kavallerie-Rrigade, 1898 wurdeer Chef des Militärreitinstituts, 1899 Generalleutnant und Kommandeurder Garde-Kavallerie-Division, 1903 Gouverneur von Straßburg . Nichtlange vor dem traurigen Ende des Weltkrieges, in dem er sich als stell-vertretender Kommandierender General zur Verfügung gestellt hatte, ver-lieh ihm Wilhelm II. den hohen Orden vom Schwarzen Adler. Moßner war,wie ich glaube, der letzte preußische General, der den Schwarzen Adler-orden erhielt. Eine wohlverdiente Auszeichnung für einen Mann, der sichin zwei Feldzügen bewährt, der ein trefflicher Regiments-Adjutant, Eska-drons-Chef, Regiments-, Brigade -, Divisions-Kommandeur gewesen warund außerdem einer der besten Reiter der Armee, der zweimal das großeArmee-Jagdrennen gewonnen hatte.

In Ergänzung der eiligen und einigermaßen flüchtigen Zeilen, die ich an

Offiziers- meine Eltern gerichtet hatte, möchte ich noch folgendes nachtragen.

portepee Während die Schlacht von Saint-Quentin in vollem Gange war, meldete ichmich bei unserem Kommandeur, dem Oberst von Loe, zum Fähnrich er-nannt. Er sah mich mit seinen großen, ernsten Augen lange an. Dann sagteer zu mir:Von heute an tragen Sie das Offiziersportepee. Daß Sie es an-legen dürfen, ist die wohlverdiente Anerkennung Ihrer im Feuer bewiesenenBravour. Vergessen Sie nie, wann Sie sich bei mir als Portepeefähnrich ge-meldet haben. Gestern, an demselben 18. Januar, an dem einst König Fried-rich I. sich in Königsberg die preußische Königskrone aufsetzte, hat unsererhabener Herr, König Wilhelm L, in Versailles die ihm von allen deutschenFürsten angebotene deutsche Kaiserkrone angenommen. Dem Kaiser undKönig zu Ehren donnern heute die deutschen Kanonen vor Paris , an derLisaine, im Jura und hier vor Saint-Quentin. So herrliche Tage, wie wir siejetzt erleben, können sich nicht oft wiederholen. Worauf es ankommt, ist,den Geist dieser Tage in sich aufzunehmen, ihm als Leitstern zu folgen, ihminnerlich treu zu bleiben. Das erwarte ich auch von Ihnen und wünscheIhnen Glück für Ihre Zukunft."